Warum Leichtigkeit der Schlüssel zu echter Wirksamkeit ist

Es war ein sonniger Tag, und ich stand in Inlineskates am Start einer Slalomstrecke, die steil den Berg hinunterführte. Helm auf, Stöcke in der Hand, wie Felix Neureuther im Ski-Slalom – nur eben auf Asphalt. 8 bis 12 Prozent Gefälle. Ein Wahnsinn, inklusive Kippstangen, um den Kurs abzustecken.

Der Skiclub Nagold, in dem ich schon seit Kindestagen aktiv war, hatte sich etwas Verrücktes vorgenommen: ein Inliner-Slalom-Rennen auszurichten. Und ich war als Organisator dieses Events, das sich der Deutsche Skiverband ausgedacht hatte, dabei. 

Plötzlich schauten mich alle an. „Stefan, du moderierst das!“ Ich? Moderieren? „Ja klar, du bist doch Trainer und Coach bei der Sparkassenversicherung. Da machst du doch auch nichts anderes.“

In mir kämpften zwei Stimmen. Die eine fragte: „Kann ich das überhaupt?“ Die andere war einfach nur neugierig auf etwas Neues. Die zweite Stimme gewann. Also fuhr ich als Vorläufer selbst die Strecke runter und moderierte dann das Event – voll on fire. Ich hatte einfach Spaß. Ich ging mit ganzer Hingabe in diese Aufgabe, ohne großes Konzept, aber mit echter Freude. Zwei Tage lang. Am Ende waren alle geflasht.

Eine Woche später klingelte mein Telefon. Der Deutsche Skiverband. Ob ich mir vorstellen könnte, die gesamte Inline-Slalom-Serie zu moderieren. Schließlich sei ich ja ein Profi … Ich musste fast lachen – Profi? Ich hatte doch gerade erst angefangen. Aber genau diese Freude, diese Leichtigkeit im Tun, die ich beim Moderieren gespürt hatte, das war es offenbar, was die Menschen berührte – und heute noch berührt.

Wenn Komplexität die Freude verdrängt

Seit meiner ersten Moderation damals auf Inlineskates ist viel passiert. Heute moderiere ich Unternehmensveranstaltungen und vor allem im Winter Sportevents. Und ich coache ambitionierte Führungskräfte für ihre Auftritte vor Mitarbeitern. Zwei Welten, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken – und doch einen gemeinsamen Kern haben: Wirksamkeit entsteht nicht durch Perfektion. Sie entsteht durch innere Haltung.

Was ich bei meinem Coaching immer wieder beobachte: Die Herausforderungen werden komplexer. Die Wirtschaft, die Konkurrenz, der Personalmarkt, die Transformation ganzer Branchen – man sieht es gerade in der Automobilindustrie, wo Menschen reihenweise ihre Jobs verlieren. Die Themen, mit denen sich Führungskräfte beschäftigen müssen, sind nicht lustig. Sie sind ernst. Mannigfaltig. Fordernd.

Und genau hier passiert etwas Entscheidendes: Die Freude spielt kaum eine Rolle im Alltag. Der Ernst der Lage überträgt sich in ein verbissenes, überehrgeiziges, manchmal verkrampftes Doing. „Man muss sich konzentrieren“, höre ich oft. „Man muss fokussiert am Projekt arbeiten. Das ist nicht lustig, was wir hier bearbeiten.“ Als würde Konzentration bedeuten, keine Freude haben zu dürfen. Als würde Ernsthaftigkeit Leichtigkeit ausschließen.

Man redet lieber über Leistung, über Einsatz, über Power. Aber Freude? Das ist so ein zartes Pflänzchen. Etwas, das man nicht so richtig greifen kann. Etwas, das total unterschätzt wird.

Freude ist kein Luxus

Die Wahrheit ist, meiner Erfahrung nach, aber folgende: Je komplexer die Welt wird, desto wichtiger wird die Freude. Nicht als nettes Beiwerk, sondern als fundamentaler Zugang zu echter Wirksamkeit.

Denn in der Freude steckt so viel drin: Wenn ich mich freue, bin ich dankbar. Wenn ich dankbar bin, freue ich mich. Wenn ich mich freue, entwickle ich eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit den Themen. Und wenn ich diese Leichtigkeit spüre, habe ich mehr Freude an dem, was ich mache. Ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

Der Unterschied zwischen entspannt-konzentriert und verkrampft-konzentriert ist gewaltig. Das eine fühlt sich tausendmal besser an. Das eine führt zu Bestleistung, das andere zu Verschleiß. In der Neuroathletik weiß man längst: Dein innerer Zustand – körperlich und mental – entscheidet darüber, ob du Bestleistung abrufen kannst oder nicht.

Die große Herausforderung

Die große Herausforderung für ambitionierte Menschen liegt genau hier: Wie finde ich meine Freude, wenn die Themen schwer sind? Wie lebe ich sie authentisch, ohne mich selbst zu verraten oder unglaubwürdig zu wirken?

Deswegen sorge ich im Coaching dafür, dass wir einen Safe Space schaffen. Einen Raum, in dem der Führungskraft erlaubt ist, aus der gewohnten Denkweise herauszukommen. Manchmal verändere ich das Setting – wir gehen in die Natur. Manchmal nutze ich ungewöhnliche Methoden, die Neugier wecken. 

Stell dir einen Rahmen vor, ein Quadrat mit vier Seiten. So läuft Dein Alltag normalerweise ab. Immer in diesem Rahmen. Manchmal nehme ich ein Stück von einer Seite einfach mal raus. Ich ändere einen Teil des Rahmens. Und plötzlich ist da wieder Raum für etwas Neues. Für Freude.

Freude ist Fokus mit Leichtigkeit

Freude bedeutet nicht, naiv zu sein oder die Komplexität zu ignorieren. Freude ist in diesem Sinne Fokus auf das Wesentliche in Verbindung mit einer Leichtigkeit, die Deine Souveränität begleitet. Du kannst ernsthaft arbeiten und trotzdem Freude dabei empfinden. Du kannst konzentriert sein und trotzdem entspannt. Das eine schließt das andere nicht aus – im Gegenteil.

„Bevor etwas Freude macht, ist es zunächst mal Arbeit“, so sehe ich das. Aber auch die Arbeit selbst, macht Freude, wenn jemand mit Herzblut und Haltung dabei ist. Es ist ein Wechselverhältnis. Leistung und Leichtigkeit gehören für wirklich ambitionierte Menschen, die ihre Ambitionen auch auf die Straße bekommen, zusammen.

Prüfe also die Freude, die du im Leben und in deiner Arbeit hast – oder auch nicht hast. Das ist elementar für dich. Achte auf deinen inneren Zustand, körperlich und mental. Menschen sind oft körperlich nicht in einem guten Zustand. Und mental sind sie nicht im Zustand der Freude. Das macht etwas mit uns.

Wir brauchen diesen Zugang zur Freude. Wirklich brauchen. Und wir müssen lernen, diesen Zugang aktiv zu kultivieren. Denn wenn du mehr Freude ausstrahlst, kommt auch mehr Freude zurück. Das Gesetz der Resonanz. Das sorgt für Authentizität und Wirksamkeit.

Die Freude ist da. Du musst ihr nur wieder Raum geben.

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