Sonne, Schnee, Berge, frische Luft – der Skikurs war ein voller Erfolg und eine tolle Erfahrung mit wunderbaren Menschen. Und obwohl das ja ein Seminar für Führungskräfte ist, was mein Kollege Karl-Ludwig Oehler und ich anbieten, beobachten wir dort oben in luftiger Höhe total menschliche Sachen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Chefs sind natürlich auch Menschen. Aber dennoch erlebe ich es nicht zu selten, dass sie distanziert sind und sich hinter ihrem harten Führungspanzer verstecken. Ein Erlebnis vom letzten Skiführungsseminar möchte ich gerne mit Ihnen teilen und ich bin mir sicher, dass auch Sie sich ein Stück weit wieder erkennen.

Nur nicht die Angst gewinnen lassen

Der eine Teilnehmer stand zum ersten Mal vor der Aufgabe, Stangen zu umfahren. Er stand dort oben und ihm war der Respekt vor der Abfahrt anzumerken. Ich habe sogar gespürt – obwohl er meinen Blicken auswich –, dass er Angst hatte. Doch er stand am Start, sah den Berg runter und fragte: „Wie muss ich da jetzt fahren?“ Er wollte eben ausstrahlen, dass er alles im Griff hat. Lieber überspielte er seine Furcht und ging es an. Solche Situationen kennen Sie aus Ihrem Alltag vermutlich auch.

Der Teilnehmer bekam in den Kurven ziemliche Probleme. Es wurde sogar ziemlich brenzlich, weil wir zwei Läufe nebeneinander gesteckt hatten und auf dem anderen parallel ein Kollege fuhr.

Gefühle aussprechen tut nicht weh

Wieder oben angekommen, stand er mit weichen Knien vor mir und sagte: „Ich habe Schiss.“ Warum nicht gleich so? Das habe ich nicht nur gedacht, sondern ihm auch gesagt – natürlich nicht so plump. Aber ich habe dem gestandenen Mann gesagt, dass ich stolz auf ihn bin, dass er sich seiner Angst gestellt hat. Und zwar nicht seiner Angst, die Piste runter zu fahren, sondern dass er sich überwunden hat, über seine Angst zu sprechen.

Jetzt mögen Sie sagen, dass das doch ganz normal ist, keiner will als Versager gelten, sich selbst schwach und unfähig fühlen oder jemanden belästigen und um Hilfe bitten. Das verstehe ich ja. Doch wer wirklich Angst hat, muss das klar artikulieren. Da reicht kein: „Du hättest merken müssen, dass ich Angst hatte.“

Denn erstens kann niemand wissen, dass sein Gegenüber Angst hat. Nicht jedem Menschen ist seine Furcht anzusehen. Und darum kann er auch keine spontane Unterstützung erwarten. Außerdem sind Menschen, die sich nicht trauen ihre Ängste anzusprechen, meist auch nicht dazu bereit, Hilfe anzunehmen, wenn sie darauf angesprochen werden, sondern überspielen ihre Angst weiterhin.

Wen um Hilfe fragen?

Frag’ ich oder frage ich nicht? Eine ähnliche Situation wie auf der Piste kann auch im Job entstehen. Wer anspruchsvolle Aufgaben übertragen bekommt und ausstrahlt, dass er alles im Griff hat, darf keine Hilfe vom Chef erwarten. Der geht dann nämlich davon aus, dass alles läuft. Vielleicht ist Ihr Vorgesetzter auch gar nicht der Richtige, um Sie zu unterstützen. Möglicherweise ist es ein Kollege, der die Erfahrung selbst schon einmal gemacht hat, oder ein Kollege aus einer anderen Fachabteilung, der sich mit dem Thema auskennt.

Egal, ob Chef, Kollege oder sogar jemand aus dem Privatleben – es liegt an Ihnen, einen passenden Mentor zu finden: Sprechen Sie aus, wie Sie sich fühlen und dass Sie Unterstützung brauchen. Wenn Sie den Richtigen um Hilfe gebeten haben, kann dieser auch einschätzen, ob Sie umfangreiche Hilfestellung benötigen oder nur Instruktionen, um es dann alleine zu probieren. Ich kann Ihnen sagen: Egal, wen Sie fragen – es braucht Mut und eine ordentliche Portion Vertrauensvorschuss.

Und genau deshalb wäre es klasse, wenn Erwachsene sich auf ihre Kindheit zurückbesinnen: Kinder schauen intuitiv, wem sie sich anvertrauen und bekommen dann in angemessenem Umfang Unterstützung. Sie bitten einfach den, dem sie vertrauen. Und warum? Weil sie wissen, dass sie dazulernen können. Gemachte Erfahrungen lassen sich eben durch nichts ersetzen.
Wann haben Sie das letzte Mal um Hilfe gebeten und sind dadurch gewachsen?

Übrigens: Wenn Sie auch mal Schwung in Ihren Führungsalltag bringen wollen. Im April findet nochmals ein Skiführungskurs statt. www.skifuehrungsseminare.de

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