Zum Ausgang immer geradeaus
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Verbundenheit
Sie sind nicht allein!
20. November 2015
Nähe distanziert

Denken Sie mal an Ihren letzten Misserfolg zurück. Wie haben Sie sich verhalten? Mit wem haben Sie offen darüber gesprochen? Was die meisten tun, wenn ihnen etwas misslungen ist? Vertuschen! Das ist natürlich eine unbequeme Wahrheit. „Vertuschen“ klingt ja nicht gerade positiv. Gesellschaftlich ist es jedoch höchst unsexy, einen Fehler zuzugeben oder Schwäche zu zeigen.

Da bleibt Ihnen ja nichts anderes übrig, als den Fehler unter den Teppich zu kehren und zu hoffen, dass ihn niemand aufdeckt. Dadurch überspielen Sie natürlich auch die Gefühle, die der Misserfolg bei Ihnen auslöst. Es wirkt ja auch schwach, Gefühle zu zeigen – vor allem, wenn Mann Gefühle zeigt und womöglich noch negative.

Distanziert und unnahbar

Dabei wirkt es eigentlich unsympathisch, wenn bei einem Menschen keine Schwächen und keine Gefühle sichtbar werden. Er wirkt einfach aalglatt – egal, ob Mann oder Frau. Und das löst beim Gegenüber dann ein Gefühl der Unterlegenheit aus. Er fühlt sich klein und schwach.

Sie könnten es den Politiker-Effekt nennen: Politiker neigen dazu, keine Emotionen zu zeigen und Fehler und Misserfolge zu vertuschen – aus Angst, dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Dadurch bleiben sie jedoch distanziert und unnahbar. Und wenn es einem Politiker dann mal nicht mehr gelingt, einen Fehler oder Misserfolg zu verdecken, wird das für ihn zum Stolperstein. Warum? Weil niemand Mitgefühl für ihn hat.

Es ist doch so: Wer keine Fehler und Schwächen zeigt, macht sich zur funktionierenden Maschine. Und wenn die Maschine nicht mehr funktioniert, warum sollte sie dann nicht weggeworfen werden?

Halten Sie etwas zurück?

Was das für Sie bedeutet? Wenn Sie das nächste Mal spüren, dass Sie keinen Zugang zu Ihrem Gegenüber aufnehmen können, dann fragen Sie sich, ob es nicht daran liegen könnte, dass Sie etwas zurückhalten – dass Sie sich nicht verletzbar, nicht authentisch mit all Ihren negativen Gefühlen, Ängsten und Misserfolgen zeigen.

Außerdem: Geheimnisse kommen früher oder später sowieso ans Licht. Sie können noch so gut darin sein, Dinge zu überspielen, Ihre Mitmenschen werden es trotzdem merken – weil Sie schneller und zu viel sprechen, angestrengt und gekünstelt lächeln, in Ihrer Haltung sehr geschlossen oder übertrieben wirken. Und wo es Geheimnisse gibt, entsteht immer auch Neugier: Mysterien ziehen Enthüllungsjournalisten an, die herausfinden wollen, was da versteckt wird – und nicht selten werden sie irgendwann fündig. Die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen ist nur ein jüngstes Beispiel dafür.

Seien Sie authentisch

Was also, wenn Sie Ihre Schwäche, Ihren Misserfolg einfach zugeben und die Gefühle, die das bei Ihnen auslöst, zeigen würden? Ja, dann verändert sich alles. Dann befreien Sie sich – es ist der sprichwörtliche Stein, der Ihnen vom Herzen fällt. Sie fühlen sich schlagartig leichter.
Und Sie haben gute Chancen, nun Beistand zu finden, denn sie werden um 100% sympathischer und menschlicher wirken. Nun können sich andere Menschen mit Ihnen auf Augenhöhe fühlen und werden dann auch bereit sein, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Es gibt natürlich immer den einen oder anderen Fiesling, der Ihre Schwäche ausnutzt, um hämische, verletzende Kommentare zu machen. Aber sehen Sie es mal so: Das ist ja auch nur so ein armes, einsames, aalglattes Würstchen, das seine Schwächen und Gefühle nicht zeigen kann.

Also nur Mut: Zeigen Sie sich. Die menschliche Nähe, die Sie dadurch bekommen, wird Ihnen gut tun.

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