Aufgeregt, erwartungsfroh, gespannt – so dürfte wohl jeder Anfang in einem neuen Job beginnen. Ist schon ein bisschen wie der erste Schultag, nur ohne Schultüte. Das Firmengebäude, die neuen Kollegen und Aufgaben – alles ist fremd. Und dann müssen Sie als Neuer auch erst noch Ihren Platz im Team finden und die Kollegen müssen sich an Sie gewöhnen. Puh … Ganz schön anstrengend.

Kein Wunder, dass auch einer brummender Kopf und viele Fragezeichen Begleiter in den ersten Tagen und Wochen sind: Bei einem neuen Job ist eben aller Anfang oft schwer.

Wenn die Mitarbeiter dabei alleingelassen werden, kann das fatale Folgen für das gesamte Arbeitsverhältnis haben. Aber leider passiert es immer wieder und die Mitarbeiter „flüchten“ in der Probezeit schon wieder.

Führen statt alleinlassen

So auch bei einer Geschichte, die ich zufällig in einem Café mitgehört habe. Klar, Mäuschen spielen ist vielleicht nicht die feine englische Art, aber diese Unterhaltung ist ein Paradebeispiel, wie ein Start in einen neuen Job nicht aussehen sollte.

Also, alles von Anfang an: Die Arbeitnehmerin kam zu Ihrer neuen Arbeitsstelle in einem Blumengeschäft. Als sie dann im Laden erschien, glänzte der Chef erst einmal mit Abwesenheit.

Keine Begrüßung, keine offizielle Einführung vom Chef am Anfang, keine Leitplanken. Sie solle einfach anfangen, hat er ihr über eine Kollegin ausrichten lassen. Bestimmt haben ihre Kollegen sie herzlich empfangen – doch nach dem Gespräch zu urteilen, konnte das die Abwesenheit des Chefs nicht aufwiegen.

Und dann kam der Oberhammer: Die Blumenhändlerin sollte am Abend die Kasse machen und die Filiale schließen – der Chef hatte aber nicht einmal daran gedacht, ihr einen Schlüssel zu hinterlassen!

Unterschätzeritis lässt grüßen

Geht es eigentlich noch? Da hätte er ihr auch gleich eine Notiz hinterlassen können: „Es ist mir völlig egal, dass Sie hier sind. Schauen Sie selbst, wie Sie sich zurechtfinden. Ich will mir darüber keine Gedanken machen. Falls Sie irgendwelche Fragen haben, stehe ich nicht zur Verfügung. Ohne Achtung vor Ihrer Person, Ihr neuer Chef.“

Sicher ist diese Episode ein Extremfall. Das Problem, das dahinter liegt, ist aber so verbreitet wie die Grippe im November. Ihr Name: Unterschätzeritis – die systematische Unterschätzung der Starts für die weitere Zusammenarbeit.

Immer wieder erlebe ich Chefs, für die die Einarbeitung neuer Mitarbeiter Punkt 29 auf der Prioritätenliste ist. Und entsprechend sieht der erste Arbeitstag oft aus: Riesige Erwartungshaltung von Chefseite – Verwirrung, Enttäuschung, Fragezeichen, oder sogar Ängste auf Mitarbeiterseite. Am Abend denkt der Chef: Beim Vorstellungsgespräch hat er einen besseren Eindruck gemacht. Und der Mitarbeiter: Wo bin ich denn eigentlich gelandet?

Der Anfang entscheidet

Den wenigsten ist klar, dass die Qualität des Beginns – eines Projektes, einer Zusammenarbeit, einer Beziehung – über deren weiteren Verlauf bestimmt. Der Start entscheidet, wie die Folgezeit verläuft! Weil darin die Grundhaltung enthalten ist, mit der die Beteiligten an die Sache rangehen. Sie ist a) sichtbar und b) erzeugt sie Reaktionen. Deshalb gebührt jedem Beginn eine Menge Aufmerksamkeit.

Starten Sie gut, wird das Ergebnis gut. Wie es das Sprichwort schon sagt: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“ Das hätte sich der Chef des Blumengeschäfts besser vorher bewusst gemacht. Die Kündigung nach zwei Wochen war für ihn eine große Überraschung.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht an ihn: Unterschätzeritis ist heilbar! Bei jedem neuen Anfang bekommt der Chef eine neue Chance, sich zu kurieren, und den neuen Mitarbeiter zu überzeugen.

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