Ein junger Hund verläuft sich in einen Tempel mit tausend Spiegeln und erblickt in den Spiegeln sein Ebenbild. Instinktiv stellt er angesichts der großen Konkurrenz die Nackenhaare auf und beginnt zu knurren. Aber auch die anderen Hunde knurren ihn an. Da bekommt er Angst und flüchtet aus dem Tempel.

Am nächsten Tag betritt ein anderer junger Hund den Tempel. Er erblickt die anderen Hunde in den Spiegeln und denkt: „Oh, lauter Spielkameraden – wie schön!“ Er beginnt freundlich zu schnüffeln und mit dem Schwanz zu wedeln und siehe da: Die anderen tun es ihm nach.

Das Bild im Spiegel

Was da im Tempel geschieht, erleben Menschen tagtäglich. Wie? Sehen Sie den Tempel als Ihr Leben und die Spiegel sind Ihre Mitmenschen. Allein Ihre Grundhaltung entscheidet darüber, ob Sie Ihre Mitmenschen als Feinde oder potenzielle Freunde sehen.

Und drehen Sie die Perspektive auch mal um und überlegen Sie, wie Sie einen Menschen beurteilen, den Sie noch nicht gut kennen. Wenn dieser Mensch sie kritisch beäugt und Abstand hält, werden Sie denken, dass er Vorbehalte gegen Sie hat und selbst ablehnender und vorsichtiger sein. Zeigt er sich offen, freundlich und an Ihnen interessiert, werden Sie ebenfalls mit freundlichem Interesse und Offenheit reagieren.

Und Ihrem Gegenüber geht es mit Ihnen natürlich genauso. Sie lesen Ihre Körpersprache, Ihren Tonfall und andere Signale und schließen daraus auf Ihre Grundhaltung. Oder kurz: Was Sie denken, das strahlen Sie aus.

Ein Korsett aus Glaubenssätzen

Ich habe das für mich selber erst einmal durchdenken müssen. Ich habe mich gefragt, warum bei manchen Menschen, die mir begegneten, die Tür schon zu war, bevor wir uns überhaupt näher kennengelernt hatten. Dann entdeckte ich Überzeugungen in mir, von denen ich vorher gar nichts geahnt hatte. Und die haben Sie sicherlich auch.

Solche Glaubenssätze können schon aus der Kindheit stammen. Viele übernehmen sie von den Eltern oder Lehrern und anderen Bezugspersonen. Glaubenssätze wie „Wer anderen vertraut, wird betrogen“ oder „Um Erfolg muss man kämpfen“ können Ihnen zeitlebens Chancen verbauen. Positive Glaubenssätze hingegen wie „Alles, was in deinem Leben geschieht, dient der Weiterentwicklung“ öffnen Ihnen so manche Tür.

Letztlich tragen Sie ein ganzes Korsett aus Glaubenssätzen, das Ihre Grundhaltung in der Welt bestimmt. Es beeinflusst Ihre Bewertungen von „richtig“ und „falsch“ und von „gut“ und „böse“. Und die Erfahrungen, die Sie im Laufe des Lebens machen, bestätigen und verstärken manche Überzeugungen und schwächen andere ab. So verändert sich eine Grundhaltung auf ganz natürliche Weise mit der Zeit.

Ein bisschen Gedankenhygiene

Glücklicherweise können Sie diesen Prozess aktiv beeinflussen, um nützlichere und positivere Glaubenssätze zu kultivieren. Wie? Betreiben Sie Gedankenhygiene: Wenn sich Menschen bewusst beobachten, können sie ihre Haltung in einer Situation beeinflussen und so die Reaktion anderer Menschen lenken. Denn dadurch, dass sie ihre Gedanken beobachten, bemerken sie einen Glaubenssatz, sobald er auftaucht. Ist es ein negativer, können sie ihn bewusst durch einen positiven Gedanken ersetzen – etwa: „Spannende Menschen hier. Mal sehen, was ich lernen kann.“ Und das Umfeld wird die offene Haltung bemerken und selbst auch offener im Umgang werden.

Natürlich ändern Sie Ihre limitierenden Überzeugungen dadurch nicht von heute auf morgen. Das wäre ja zu einfach. Aber wenn Sie immer wieder aktiv darauf achten, positive Annahmen zu treffen und dadurch auch öfter positive Erfahrungen machen, wird Ihre gesamte Grundhaltung positiver und offener – und ermöglicht Ihnen dadurch weitere gute und verstärkende Erfahrungen.

So kann selbst der garstigste Hund den Tempel vielleicht irgendwann ohne Misstrauen betreten und ohne Angst verlassen. Es wäre doch schön, wenn sich alle Menschen so begegnen würden. Finden Sie nicht auch?

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hallo Stefan,

einige dieser Ansatzpunkte sind mir bewusst und teilweise inzwischen auch geläufig.
Ab und zu hänge ich mal wieder in einer Blockade.

Und siehe da eine Tür schlägt im Wind. Ab und zu kommt ein Blau-Grün schimmernder Lichtstrahl herein.

Und siehe da, mit meiner Maus mach ich dann die Tür auf und ein maigrünes Logo mit einem dynamischen Jungen Mann, strahlt mich auf dem Bildschirm an. ( Gebe zu, hab n Ordner Stefano angelegt )

Wir reinigen Körper, Wohnung und Auto ( falsche Reihenfolge ) so oft wie möglich. Die Gedanken jedoch nur wenn sie so im Dreck und Müll stecken das wir sie nur noch erahnen können.

Gedankenhygiene
Super Sache und vielen lieben Dank

Grüße aus Musberg

Oli

PS. ist mir egal ob du es veröffentlichst.

Antworten
    Stefan Reutter
    20. Februar 2017 9:31

    Lieber Oli,

    vielen Dank für deine ausführlichen Gedanken und weiterhin reichlich Spaß bei der Gedankenhygiene!

    Liebe Grüße nach Musberg

    Stefan

    Antworten
Brigitte Linder
17. Februar 2017 9:12

Gedankenhygiene, was für ein starkes Wort.
Danke für diesen lehrreichen Artikel.
Also gehen wir mit einem Lächeln raus – und stecken alle an!!!

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