Ist das spannend! Die Landtagswahlen haben die gesamte Parteienlandschaft ins Chaos gestürzt. In allen drei Landtagen wurden die alten Konstellationen gesprengt. Die Strategie von Herrn Kretschmann wundert mich da gar nicht: Erstmal mit den alten Bekannten von der SPD quatschen und zuletzt das unvermeidliche Gespräch mit der CDU angehen.

Die Vermutung liegt nahe, dass er hofft, um das neue grün-schwarze Modell herumzukommen. Nur: Das geht eben am Wählerwillen vorbei. Baden-Württemberg ist nun mal ein Land mit traditionellen CDU-Wurzeln und neuen grünen Ideen.

Offenheit gefordert

Ob Sie nun grün, schwarz oder etwas ganz anderes gewählt haben: Sie können sich bestimmt gut vorstellen, dass die CDU- und Grünen-Wähler wohl in ihren kühnsten Träumen nicht damit gerechnet haben, dass sie demnächst vielleicht Zugeständnisse in die jeweils andere Richtung machen müssen. Es ist die ehrenwerte Aufgabe der Politiker, diese Offenheit nun vorzuleben.

Das aber trifft eine alte Schwäche der Politiker. Ihr Geschäft ist der Machtkampf. Sie wollen sich durchsetzen und es ist fast schon zu einer traurigen Tradition geworden, dass sie dabei die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, wie Respekt und Toleranz, fallen lassen. Da werden Gegner mit verbalem Dreck beworfen, Bündnispartner verraten und Lügen verbreitet – das Wählergedächtnis ist kurz, irgendwann kräht kein Hahn mehr nach den Verfehlungen der Vergangenheit und am Ende zählt nur das Ergebnis.

Sicherheit um jeden Preis

Auf der anderen Seite verwenden die Politiker gerne Sie als Ausrede: die Wähler. „Der Wähler will Sicherheit und Stabilität“, ist das Argument, mit dem neue Wege gar nicht erst ausprobiert werden. Was ich hinter diesem Sicherheitswahn vermute, ist Verlustangst.

Vielleicht ist Deutschland ja schon viel zu lange reich. Seit den 80ern waren keine größeren Veränderungen nötig, um weiter gut leben zu können. Auf der anderen Seite ist die Angst ungeheuer groß, dass dieser Reichtum durch irgendeine unbedachte Entscheidung verspielt werden könnte. Also lautet die Devise: Kurs halten, weitermachen wie gehabt, bloß nichts verändern.

Das Schicksal steht schon vor der Tür

Dabei hat das Schicksal schon längst angeklopft: mit der Flüchtlingskrise, mit den zu erwartenden Finanzmarktzusammenbrüchen, mit dem wackeligen Euro. Es ist zu erwarten, dass in zehn Jahren nicht mehr alles so sein wird wie heute.

Da ist es verständlich, dass manche von Ihnen sich noch mehr an Ihren traditionellen Strohhalm klammern. Aber Sie und ich leben in einer sich immer schneller drehenden Welt – anhalten können wir sie nicht. Irgendwann wird sie sich um Deutschland herum so sehr verändert haben, dass Sie gezwungen sind, etwas an sich zu verändern. Aber dann haben Sie es längst nicht mehr in der Hand, in welche Richtung diese Veränderung gehen wird. Deutschlands einzige Chance ist also: Umdenken, bevor ihm endgültige Tatsachen aufgezwungen werden, und Sicherheit in der Veränderung finden. Nur wenn Sie sich bewusst mit den Zeichen der Zeit bewegen, wird die deutsche Gesellschaft überleben.

Vorbilder braucht das Land

Von den Politikern wünsche ich mir da, dass sie als Vorbilder vorangehen. Dass sie jetzt Mut zur Veränderung zeigen, sich auf Respekt und Offenheit zurückbesinnen und Neues zulassen und integrieren. Klar, das ist nicht leicht. Aber Deutschland ist stark und hat auch eine ausgeprägte, starke Kultur. Deutschland kann Veränderungen verkraften, ohne seine Identität zu verlieren oder im Armenhaus zu landen.

Packen wir die Veränderung an, bevor sie uns packt!

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