Ich sitze mit meiner Frau in einem Restaurant. Wir unterhalten uns angeregt über Gott und die Welt, bis uns an einem Tisch etwas weiter weg ein Paar auffällt. Sie sind mit ihren Smartphones beschäftigt. Keiner von den beiden schaut auf oder spricht mit dem anderen.

Scherzhaft sage ich: „Wenn das bei uns mal so weit kommt, steige ich aus.“ Dann geht unsere Fantasie mit uns durch und wir witzeln über die zwei, wie sie in ihrer Cyberworld leben, Cybersex haben und Avatarkinder großziehen.

Schöne neue Welt?

Hinter den Witzeleien steckt jedoch eine ernste Sorge: In unserer modernen, technisierten Welt sind wir immer mehr durch Gadgets, Apps und Tools fremdbestimmt und maschinengetaktet. Hoffentlich gehen die menschlichen Beziehungen dabei nicht vor die Hunde.

Wo Unterhaltungen nur noch über Handys stattfinden, keiner mehr hier ist, sondern alle „dort“, findet doch keine echte Begegnung mehr statt. Aber nicht nur den anderen trifft keiner mehr an. Auch die Beziehung zu sich selbst geht vielen Menschen im Cyberfieber verloren.

Schönes neues Ich?

Seit der Erfindung der Taschenuhr, die jeder bei sich tragen kann, ist es ein Trend: Sie leben nicht mehr Ihren eigenen Rhythmus, sondern nach dem maschinellen Takt der Uhr. Heute stehen Ihnen in den Smartphones alle Taktungswerkzeuge zur Verfügung: Uhr, Wecker, Kalender, To-Do-Liste, Countdown-App. Dauernd klingelt oder piepst etwas, vibriert oder blinkt. Reißt Sie aus Ihren Gedanken, aus dem, was Sie gerade tun, und damit aus Ihrem Leben, um Sie daran zu erinnern, dass Sie gerade etwas anderes verpassen.
Der Effekt ist dauernde Hektik, das ständige Gefühl, getrieben zu sein – mit einem Wort: Stress.

Technik vs. Biologie

Durch diese Fremdbestimmung und den damit produzierten Stress verlieren Sie auch das Gefühl für sich selbst. Ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Schlaf, Bewegung kommen schließlich nicht zur vollen Stunde oder nach dem Termin XY. Sie kommen dann, wenn Ihr Körper, Ihr Biorhythmus sie braucht. Unter dem Diktat der Uhr sind Sie jedoch gezwungen, sich anzupassen, denn ein Körpergefühl hat die Uhr nicht. So geht insgesamt das Gefühl, Mensch zu sein, verloren – und ebenso das Gespür für andere Menschen.

Über Facebook, WhatsApp und Co. Face to merkt niemand mehr, ob das Gegenüber mitgeht oder nicht, welche Gefühle er hat, was er geben kann und was er braucht. Im Chat sehen alle nur gedruckte Wörter und Smileys. Die ersetzen keinen lebendigen Ausdruck. Sie drücken so viel weniger aus als das Gesicht und der Körper eines Menschen.

Steigen Sie aus!

Das Einzige, was hier hilft, ist Aussteigen. Sie können zum Beispiel einen Tag in der Woche Handy, Computer und Tablet ausstellen, die Armbanduhr gar nicht erst anziehen und aktiv sein, ohne sich treiben oder fremdtakten zu lassen.

Das geht am besten draußen in der Natur. Streifen Sie durch den Wald oder über eine ruhige Wiese und lassen Sie die Stille zu. Das haben viele moderne Menschen schon völlig verlernt. Gönnen Sie sich also diese Auszeit nur mit sich selbst.

Ich werde jedenfalls darauf achten, dass ich mich immer wieder frei mache, von fremden Taktvorgaben. Dann verliere ich auch nicht die Beziehung zu mir selbst und so lange werde ich auch immer daran interessiert sein, echte Begegnungen zu leben.

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

…was heißt hier Aussteigen!!???? Ich (wir) bin (sind) nirgendwo drin und leben überraschend gut damit, haben sehr viel Zeit für uns selbst, genießen Leben, Sport und Natur, kein Grund auch nur irgendetwas zu ändern, oder es gar mit anderen zu Teilen 🙂 !
Grüße
BK

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