„Typisch Mensch!“, denke ich mir – und werde an mein Erlebnis im Flugzeug erinnert. Vielleicht erinnern Sie sich? Da hatte der Gast neben mir eine riesige Sauerei mit seinem Tomatensaft angerichtet und war dann ohne Kommentar oder Entschuldigung ausgestiegen. Völlig respektlos!

Diesmal sitze ich aber nicht im Flugzeug, sondern im Café. Am Nachbartisch ist eine Frau, unterm Tisch liegt ihr Vierbeiner und döst entspannt vor sich hin – bis die Frau das Wasserglas, das sie zu ihrem Cappuccino serviert bekommt, auf den Boden stellt. Da fängt der Hund an, das Glas geräuschvoll auszuschlabbern und dann landet das Glas wieder zurück auf dem Tablett.

Unverschämt!

Unverschämt, finde ich das! Sie hätte ja auch nach einem Napf für ihr Tier fragen können. Den stellt doch heutzutage jedes Restaurant gerne zur Verfügung. Doch damit nicht genug: Um ihn besser streicheln zu können, nimmt sie daraufhin ihren Hund hoch auf die Sitzbank! Da wäre ich fast ausgeflippt. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Hunde sehr. Aber auf der Sitzbank eines Lokals haben sie nichts zu suchen.

Warum mich das so ärgert? Weil die Frau offensichtlich keinen Moment lang an den Mitmenschen dachte, der als nächstes aus dem Wasserglas trinken oder sich als nächstes auf die Bank setzen würde. Im schlimmsten Fall bekommt der dann nämlich Hundespeichel ab oder haart seine Anzugshose in der Mittagspause komplett ein, bevor er zum Meeting mit dem Kunden muss. Wie konnte sie das in Ordnung finden?

Als ich sie darauf ansprach, reagierte sie spitz und sah mich herablassend an: „Ich kann mit meinem Hund machen, was ich will!“

„Mag sein“, antwortete ich ihr, „aber wenn ich das Glas bekommen würde, würde ich Ihnen das Wasser ins Gesicht schütten.“

Ein wenig mehr Achtsamkeit

Ja, ich weiß, ich hätte in der Situation sicher diplomatischer vorgehen können und wurde wahrscheinlich zu schnell beleidigend. Aber mir fehlt das Verständnis für Menschen, die offensichtlich keinen Meter weiter denken und sich nicht um die Auswirkungen sorgen, die ihre Handlungen auf andere Menschen haben können.

Ich finde es schade, dass der Blick auf die Umwelt so verschoben ist – nicht nur bei Hundehaltern. Ich erwarte ja gar nicht, dass Sie jeden anstrahlen und begrüßen, wenn Sie ein Café betreten, oder in der Bahn rufen: „Hier ist ein Platz frei, setzen Sie sich doch zu mir. Wir können während der Fahrt eine nette Unterhaltung führen.“ Aber ein wenig mehr Achtsamkeit würde ich mir schon wünschen.

Ich spucke meinen Kaugummi nicht auf den Boden, weil ein anderer Mensch reintreten könnte. Ich lege meinen Rucksack ins Gepäckfach und nicht auf den Sitz neben mir, weil dort vielleicht ein anderer Mensch sitzen möchte. Ich telefoniere in einem Kongresshotel spätabends nicht mehr lauthals auf dem Balkon, weil mein Nachbar möglicherweise schon schlafen will. Und ja, ich lasse meinen Hund nicht aus einem Glas trinken, das später wieder ein Mensch vorgesetzt bekommt. Aus Respekt.

Einfache Geste, große Wirkung

Also bleiben Sie mit Ihren Gedanken doch lieber erstmal bei den Menschen. Achten Sie auf andere, seien Sie schlicht und ergreifend nett. Zeigen Sie mit einfachen Gesten, dass Sie Ihre Mitmenschen respektieren. Die werden es ihnen mit einem ebenso achtsamen Verhalten danken – oder auch nur mit einem Lächeln. Aber das genügt ja auch schon und motiviert Sie dazu, nicht nur Ihrem Haustier Aufmerksamkeit zu schenken. Denn es mag doch niemand enden wie Eleanor Abernathy, die verrückte Katzenlady bei den Simpsons.

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