Was viele Menschen im Job leisten, ist Leistungssport, das denke ich immer wieder, wenn ich Führungskräfte, Vorstände erlebe. In vielen Berufen sind die Menschen enorm beansprucht, geistig, körperlich, von Bauarbeitern bis zu den Pflegekräften. Oder wenn ich nur daran denke, was mein Vater damals in der Küche und meine Mutter im Service im Lokal geleistet haben, von morgens in der Früh bis spät in die Nacht. Wahnsinn.
Aber achten die Menschen auch darauf, dass sie fit genug sind für eine solche Beanspruchung? Dass sie in einem guten mentalen, aber auch körperlich guten Zustand sind?
Ich erlebe es an mir selbst, wie schnell dies gehen kann, dass ich mich vom Alltag mitreißen lasse und mein eigener Zustand dann aus dem Blickfeld gerät.
Unter Hochdruck
„In letzter Zeit, da bist du nicht mehr ganz du selbst, du fährst so schnell aus deiner Haut. Lass dich bitte mal durchchecken.“, so meine Frau, und ich tat dies, auch wenn ich selbst gar nicht den Eindruck hatte, dass ich dünnhäutig geworden war.
Der Arzt aber stellte bei mir einen zu hohen Blutdruck fest. Nicht dramatisch, aber doch von der Art, dass dies meine Empfindlichkeit erklären kann und auch einer Behandlung bedarf.
Und ich muss dir gestehen: Als das Medikament anschlug, merkte ich einen krassen Unterschied zu vorher.
Ich war plötzlich viel ruhiger, ja, entspannt, obwohl ich eine Menge zu tun hatte. Insgesamt fühlte ich mich souveräner. Vor allem aber war ich besser drauf. Ich war viel empfänglicher für Freude. Die Sonne schien plötzlich heller, der Himmel war blauer, mein Lächeln breiter. Kurz: Mir wurde total bewusst, dass ich seit einiger Zeit meinem Körper nicht die Aufmerksamkeit geschenkt hatte, die er brauchte, um in einem guten Zustand zu sein.
Ein guter Zustand
Bei mir war es der Blutdruck, bei anderen sind es Verspannungen, der Rücken, Erschöpfung oder ein allgemeines Gefühl der Überlastung.
Es ist wie im Sport: Wer dauerhaft unter Hochdruck steht, ohne auf Regeneration zu achten, riskiert nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine Leistung. Ein Körper, der nicht im Gleichgewicht ist, kann keine klugen Entscheidungen treffen, keine inspirierende Führung bieten und schon gar keine Freude am Tun vermitteln.
Wie sieht es bei dir aus? In was für einem Zustand bist du – mental, körperlich? Wie sehen deine Prioritäten aus, schaffst du es, dir in deinem Terminkalender ausreichend Platz für dich selbst und dein Wohlbefinden einzuräumen? Wie ehrlich bist du zu dir selbst, wenn du dir deinen eigenen Zustand ansiehst? Räumst du der Freude in deinem Leben genügend Raum ein?
Wir funktionieren, wir liefern, wir managen. Wir laufen über das Maß hinaus auf Hochtouren, was uns langfristig gut tut. Und dann leidet unser Körper, unser Geist, und mit der Gesundheit geht auch die Freude flöten. Denn plötzlich macht alles so viel Mühe. Plötzlich fahre ich in Situationen aus der Haut, in denen ich zuvor entspannt geblieben war.
Mit Freude leisten
Ich persönlich achte nun wieder verstärkt darauf, eine Balance zwischen Beanspruchung und Entspannen, Leisten und Durchatmen hinzubekommen.
Und ich glaube, was ich dabei erlebe, das kannst du verallgemeinern: Denn für mich sind das oft die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Ein Spaziergang mit meinem Hund. Eine Golfrunde, auf der ich mir die Zeit lasse, mich an der schönen Umgebung zu erfreuen. Oder ich gehe einfach bei uns in den Garten, strecke meine Arme gen Himmel, mache mich ganz groß und atme tief durch, bis ich spüre, wie ich ruhiger werde – spüre, wie gut es sich anfühlt, ganz bei mir zu sein. Freude pur.
Mehr Bewegung, bewussteres Essen, regelmäßige Pausen, aktuell drehe ich an ein paar Stellschräubchen meines Lebensstils, so dass ich bald auf Medikamente verzichten kann.
Wer körperlich nicht in einem guten Zustand ist, kann auch mental nicht seine volle Stärke entfalten. Wie soll es ein gutes Ergebnis geben, wenn wir uns selbst nicht die Basis dafür schaffen?
Ein guter körperlicher und auch mentaler Zustand, in dem wir Freude an dem verspüren, was wir tun, ist kein Luxus, sondern die Grundlage für alles, was wir erreichen wollen.
Denn unsere Stärke und Wirksamkeit kommen von innen. Sie beginnen mit der Entscheidung, uns selbst nicht zu vergessen. Sie entstehen aus der Freude, mit der wir, du und ich, bei den Dingen, die wir tun, dabei sind.
