Erfolgsfaktoren: Wie Achtsamkeit für das gewisse Etwas sorgt

Stell dir einen alten Steinbruch vor, dessen schroffe Wand vor dir aufragt. Obwohl du in der Sonne stehst, strahlt der Fels eine Kühle aus, die dich leicht frösteln lässt. Man hat dir gesagt, dass es hier Wildschweine gibt. Gesehen hast du sie noch nicht. 

Dieser Ort auf meinem Heimat-Golfplatz hat etwas Wildes. Ich würde sogar sagen, er hat etwas Mystisches an sich. Es ist so, als ob du in einem urtümlichen Tal spielst. Hier liegt eine Energie in der Luft, die sich vom Rest des Platzes unterscheidet.

Für mich wird das Loch 17 damit zu einem wunderbaren Bild für etwas, was ich für eine Führungskraft und für einen ambitionierten Menschen, der mehr leisten möchte als der Standard, bedeutend finde: im Hier und Jetzt sein, sich und die Welt spüren, die Stimmung, die Energie spüren und diese für seine eigenen Ziele nutzen. 

Stefan, sei achtsam!

Viele bezeichnen dieses Loch 17 als das schönste Loch auf dem Golfplatz. Aber ich finde, dies kann nur jemand denken, der nicht sensibel ist für all die anderen, die nicht schönen Schwingungen, die hier zu spüren sind. 

Für mich ist Loch 17 deswegen auf jeden Fall ein „Beißloch“. Weil du durch die 16 Löcher zuvor körperlich und mental sehr beansprucht bist. Gefühlte zehn Kilometer bist du schon gelaufen. 

Es ist das Loch, das viele, auch wenn sie vorher noch gut gespielt haben, ihr Spiel verlieren lässt. Du musst dranbleiben, dich durchbeißen. Es ist ein Ort, der dich lehrt, dass es gut ist, genau zu spüren, was der Ort dir zu sagen hat: über deinen eigenen Zustand [LINK https://www.stefanreutter.de/zustand/], über das, was dir von außen begegnet.

Die Energie, die dir an Loch 17 begegnet, ist nicht nur angenehm, sie ist sehr ambivalent. Damit flüstert sie mir zu: „Stefan, sei achtsam! Stefan, jetzt überleg’ dir genau, was du tust!“ Gleichzeitig aber hat diese Energie etwas Verführerisches an sich, eben die Stimme der Achtsamkeit zu überhören, einfach draufloszuspielen, sich von dieser Mystik einlullen zu lassen und gedankenlos seine eigenen Kräfte zu überschätzen.

Du siehst, da herrscht eine sehr zweischneidige Energie, die zur Klarheit aufruft und einen gleichzeitig verlockt, sich einer diffusen Spontanität hinzugeben. Ich finde, das ist ein super Bild für das, was uns im Leben und in herausfordernden Situationen oft begegnet – und je nachdem, wie achtsam wir in dem Moment sind, bleiben wir auf unserem Weg oder kommen vom Weg ab.

Der richtige Sparringspartner

Mein Umgang mit dieser zweischneidigen Energie ist die Vorbereitung: Ich mache mir immer einen klaren Matchplan bei diesem Loch. Damit fahre ich besser, als wenn ich spontan spiele. Zum Plan gehört es, zurückhaltend zu spielen. Ich forciere nichts. Auch wenn es ein Par-4-Loch ist, reicht es mir, mit dem dritten Schlag aufs Grün zu kommen. Gelassen und bei mir selbst bleiben, das ist der Plan.

Also atme ich durch, bringe mich in einen möglichst entspannten Zustand, auch wenn dies, ich gebe es zu, in dieser mystischen Stimmung nicht leicht ist. Denn dank dieser geheimnisvollen Energie dort komme ich jedes Mal in Versuchung, doch riskanter zu spielen. Zu versuchen, schon mit dem zweiten Schlag aufs Grün zu kommen.

Für einen Menschen, der ambitioniert ist, ist dieses Loch 17 damit der richtige Sparringspartner. Du machst die Erfahrung, dass es dich nicht weiterbringt, die Energien, die dir begegnen, zu ignorieren. 

Um dies aufs Business zu übertragen: Wenn du nicht offen bist für die Energien, die du erleben kannst, führen dich deine eigenen Ambitionen in die Irre. Du lässt dich verlocken, entscheidest auf eine Weise, die dir nicht gemäß ist. Du findest nicht zur Klarheit und kommst aus dem Tritt, und dies spüren deine Mitarbeiter und Kollegen, dies torpediert deine Glaubwürdigkeit und deine Wirksamkeit.

Es bringt dich weiter, wenn du die Energie spürst, die von deinen Kollegen und deinen Mitarbeitern kommt. Spürst du die Energie, die in einer bestimmten Situation liegt, mit der du konfrontiert bist, kannst du besser entscheiden. Du bist wirksamer in deinen Entscheidungen, wenn du deine eigene Energie spürst, mit der du agierst. Deine Gefühle, deine Ahnungen, die Energien, die deine Glaubenssätze, deine Erinnerungen, dein Denken entstehen lassen.

Ambitionierte Menschen werden zu herausragenden Führungspersönlichkeiten, weil sie all das spüren. Diese Achtsamkeit sorgt für das gewisse Etwas, das wir an Menschen wahrnehmen: weil sie präsenter sind, weil sie inhaltlich klarer und emotional mitreißender agieren. 

Deswegen wünsche ich dir auch so einen Sparringspartner, wie es für mich eben unser Loch 17 ist. Jedes Mal, wenn ich seine fast mystische Energie spüre, erinnert es mich: „Bleib achtsam! Bleib bei dir, bleib bei den Menschen, bleib auf deinem Weg!“

Vorheriger Beitrag
Erfolgsfaktoren: Warum Willenskraft allein nicht reicht