Blicke ich zurück, so sind es natürlich bestimmte Ereignisse, Wegmarken, Entscheidungen, an die ich mich erinnere.
Doch vor allem sind es die Menschen, die mir in den Sinn kommen und für die ich so dankbar bin. Meine Familie. Meine Freunde. In meiner Fußballzeit habe ich tolle Menschen kennengelernt. In meiner Skilehrerausbilderzeit habe ich tolle Menschen kennengelernt. Dann während meiner Zeit bei der SV Sparkassenversicherung und auf dem Weg, den ich als Coach und Redner und Moderator einschlug. Von meinen Kolleginnen und Kollegen beim Club 55 habe ich unheimlich viele Impulse erhalten. Die ambitionierten Menschen, die ich zu ihren Auftritten begleiten durfte, bedeuten für mich wunderbare Erfahrungen.
Ein Mensch, dem ich für meine eigene Entwicklung unheimlich viel zu verdanken habe, ist mein Mentor Friedemann Schulz von Thun. Mit seiner Ehrlichkeit mir gegenüber, mit seinen Einsichten, was wirksame Kommunikation mit Menschen und mit sich selbst angeht.
Ein Gedanke von ihm ist mir besonders wichtig und treibt mich momentan um, schließlich feiere ich in diesem Jahr meinen 50. Geburtstag. Wobei „momentan“ eigentlich schon vor circa einem Jahr begann, als ich mich von einem geliebten Menschen verabschieden musste.
Dein inneres Team
Schulz von Thun hat einmal gesagt: „Man sollte die zweite Hälfte seines Lebens nicht mit der gleichen inneren Spielaufstellung spielen wie die erste Hälfte.“ Er spielt damit auf das innere Team an, also auf das Ensemble an unterschiedlichen Stimmen, deinen Einstellungen, Wünschen, Ängsten, Emotionen, die sich in dir zu Wort melden. Es geht um deine unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile und um die innere Kommunikation.
Für mich an der Schwelle zur zweiten Lebenshälfte (so fühlt es sich wenigstens an, 50 sind schon was Besonderes) stellen sich also die Fragen: „Wie war und ist mein inneres Team aufgestellt?“ Und vor allem: „Wie möchte ich es in Zukunft aufstellen?“
Wenn ich ehrlich bin, dann waren meine ersten Lebensjahrzehnte geprägt von Tempo, Leistung, Ehrgeiz und dem klaren Wunsch, etwas zu erreichen. Ich habe immer diesen Antreiber in mir gespürt, der morgens schon gerufen hat: „Auf geht’s, Stefan, wir wollen gewinnen!“ Da war der Wettbewerber, der Performer, der Gestalter. Alles gute, kraftvolle Anteile.
Doch heute stelle ich mir andere Fragen: Muss der Ehrgeiz immer noch Kapitän sein? Oder darf jetzt jemand anderes mehr Spielzeit bekommen? Vielleicht der Gelassenere. Vielleicht der, der innehält. Vielleicht der, der mehr auf Besonnenheit, die Intuition und nicht nur auf Geschwindigkeit achtet.
Ja, so spüre ich, ich bin immer noch ambitioniert. Aber in welcher Form möchte ich ein ambitioniertes Leben führen? Welche meiner Stärken, aber auch welche meiner Schwächen bleiben im Team?
Besser jetzt als morgen
Ich glaube, viele ambitionierte Menschen machen unbewusst den gleichen Fehler: Sie spielen die zweite Halbzeit mit exakt derselben Aufstellung wie die erste. Mehr vom Gleichen. Mehr Druck, mehr Tempo, mehr Ziele. Und dann passiert das, was Teams passiert, wenn sie mit einer nicht passenden Spielaufstellung auf den Platz gehen. Ihr Spiel wird unrund [LINK zu Blog 2 Zustand]. Ein solches Spiel verliert an Dynamik, Wirkung und auch an Freude.
Doch das Leben verändert sich. Die Anforderungen verändern sich. Und wir sollten es auch.
Mir wurde dieser Gedanke in den letzten Monaten besonders klar, als ich mich mit der Endlichkeit des Lebens auseinandersetzen musste. Plötzlich wird aus einem „Irgendwann mache ich das“ ein „Wann, wenn nicht jetzt?“.
Und mir wurde bewusst: Ich bin spät dran. Ich denke, dass wir nicht warten sollten, bis die erste Halbzeit unseres Lebens abgepfiffen wird. Zumal wir ja nie sicher sein können, ob nicht schon der Schlusspfiff nahe ist. Das ist mir jetzt noch klarer geworden. Es kann immer was passieren.
Und genau darin liegt eine enorme Kraft. Nicht im Rückzug. Sondern in der bewussten Entscheidung.
Das meine ich jetzt nicht im Sinne von einer „Midlife-Crisis“. Nein, in Krisenstimmung bin ich gar nicht. Wenn ich zurückdenke an all die Ereignisse, Wegmarken, Entscheidungen, die dafür gesorgt haben, dass ich heute dort stehe, wo ich bin, dann war die erste Lebenshälfte gut, ja, oft auch toll. Und ich mache mir auch keine Sorgen, dass das, was nun kommt, nicht mehr gut sein wird. So nach dem Motto: „Das Beste liegt hinter mir!“ – nein, überhaupt nicht.
Aber ich mache mir eben Gedanken, ob es in Zukunft vielleicht weniger darum geht, immer höher zu springen, sondern bewusster zu landen.
Vielleicht geht es weniger darum, alles mitzunehmen, sondern das Richtige auszuwählen. Vielleicht geht es weniger um äußeren Applaus, sondern um innere Zufriedenheit und damit um diese besonders starke Wirkung auf andere Menschen, die aus einer gut aufgestellten Persönlichkeit entsteht.
