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Merkel, Seehofer, Politik, Bundestagswahl, Wahlkampf, Politik, Streit, Timing, Klartext, Wahrheit, Beziehung, Unternehmen

Schauen Sie sich mal die Merkel und den Seehofer an, wie die gerade nebeneinandersitzen und die Hinterbacken zusammenklemmen. Vor Kurzem noch wären sie sich am liebsten gegenseitig an die Gurgel gegangen, waren schnippisch und zickig und haben aus ihrer gegenseitigen Abneigung keinen Hehl gemacht. Und jetzt: Friede, Freude, Eierkuchen in der Union. CDU und CSU demonstrieren Geschlossenheit.

Sie bringen sogar in trauter Einigkeit die Pkw-Maut durch den Bundestag, obwohl Merkel noch 2013 im Fernsehen vor Millionenpublikum gesagt hat: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben!“

Und jetzt frage ich Sie: Warum?

Warum halten die beiden Alphatiere gerade still und tun so, als ob sie die besten Freunde wären?

Ehrlich oder klug?

Die Antwort ist vordergründig einfach, aber in der Tiefe ganz schön schwierig. Klar ist: Natürlich machen Merkel und Seehofer jetzt öffentlich auf beste Partnerschaft, weil sie Angst vor dem Schulz haben. Der SPD-Kanzlerkandidat hat gute Umfragewerte und könnte vielleicht die Wahl gewinnen. Also haben sie in der Union die Hosen voll und haben beschlossen, ab sofort als Einheit aufzutreten. Maulkorb für alle Streithansel! Wenigstens solange der Wahlkampf läuft. Denn Streitigkeiten wären jetzt ganz schlechtes Timing!

Sie sollten schon ehrlich und authentisch sein, klar. Doch es kommt auf den Zeitpunkt an, wann Sie etwas öffentlich sagen. Und es ist nicht sonnenklar, was nun klug ist: Ehrlich sein um jeden Preis, egal zu welchem Zeitpunkt? Oder schlau sein und im richtigen Augenblick die Klappe halten, damit nichts Schlimmes passiert?

Prinzipien oder Taktik? Idealismus oder Professionalismus?

Gar nicht so einfach … Die Entscheidung überlasse ich Ihnen.

Hopp oder top?

Beides kann nach hinten losgehen. Die Gefahr ist, dass keiner die Harmonie-Show von Merkel und Seehofer kauft und ihnen das dann negativ ausgelegt wird: unglaubwürdig, feige, unehrlich, machtgeil. Und sie sind ja nun auch wirklich schlechte Schauspieler. Wenn Sie mal auf die Körpersprache achten, dann wissen Sie alles: Ehrlich ist das partnerschaftliche Getue nicht.

Andererseits: Innerparteilichen Zwist mögen die Wähler gar nicht. Ein einziger öffentlicher Zoff könnte den Sieg bei der Bundestagswahl kosten. Der Preis wäre zu hoch.

Eigentlich können es die beiden gerade kaum richtig machen. Aber ich finde das ganze Theater trotzdem lehrreich – für den Alltag, sowohl im Job als auch im Privaten. Ich glaube nämlich, dass sich viel zu wenige Leute mal ernsthaft Gedanken über ihr Timing machen.

Erstmal den Kopf einschalten

Timing ist, das gefühlt Richtige zur richtigen Zeit zu tun. Wann ist es also sinnvoll, Konflikte auf Eis zu legen, und wann ist es sinnvoll, sie auszutragen? Um das im Einzelfall zu beantworten, brauchen Sie klare Prioritäten. Nur ein Beispiel: Wenn sich zwei Kollegen nicht einig sind, ist es keine gute Idee, diesen Streit vor dem Kunden auszutragen. Warum? Weil das den Kunden nicht interessiert. Wenn der Kunde da ist, hat sich alles um ihn zu drehen, der interne Streit muss warten. Denn beide Kollegen haben ein übergeordnetes, gemeinsames Ziel: Sie wollen ihren Job behalten. Das Gehalt zahlt am Ende immer der Kunde. Also geben sie ihm in diesem Moment selbstverständlich Priorität. Hier ergibt ein freiwillig angelegter Maulkorb Sinn.

Genau diese Überlegung – welche Prioritäten sind betroffen, was ist gutes Timing – die empfehle ich Ihnen in jeder Lebenssituation. Ich bin immer dafür, dass Sie offen sagen, was Sie denken. Klar. Aber wenn Sie das nur deshalb tun, weil Sie genau JETZT recht behalten wollen und dabei andere einen Schaden davontragen, dann stimmt Ihr Timing einfach nicht.

Wessen Ego ist wichtiger?

Im Unternehmen geht es um Wirtschaftlichkeit, um Leistung, am Ende ums Überleben. Da kann nicht jeder seine Einzelziele gnadenlos durchboxen, sondern jeder muss zugunsten des Gesamtziels ein wenig zurückstecken. Wenn Ihnen das zu viel ist, müssen Sie überlegen, ob Sie noch im richtigen Unternehmen sind. Aber dem ganzen Unternehmen schaden, nur weil Sie eine Befindlichkeitsstörung haben … Nein, das geht nun wirklich nicht!

Aber die andere Seite gibt’s auch: Ein Ingenieur hat etwas cooles Neues entwickelt, doch dann sagt der Chef zu ihm: Sage noch niemandem was davon! Wir wollen das alte Modell noch verkaufen!

Der Ingenieur denkt, er hört nicht richtig: Wie bitte? Dafür bin ich doch angetreten hier in der Forschung & Entwicklung. Wir wollen doch den Fortschritt. Wir wollen bessere Produkte bauen. Und jetzt bekomme ich einen Maulkorb? Wofür arbeite ich hier eigentlich?

Wann ist das Timing also gut?

Es ist ein Spagat: Soll der Ingenieur jetzt die Wahrheit sagen über den Mist, der in diesem Unternehmen abläuft? Riskiert er damit seinen Job? Und riskiert er damit den Job von anderen Leuten im Unternehmen? Ist er verantwortlich gegenüber den Kunden? Soll er lernen, das auszuhalten? Soll er sich den Klartext verbieten lassen?

Ich kann Ihnen da generell keinen Rat geben. Ich kann nur sagen: Früher oder später MÜSSEN Sie Klartext sprechen. Sonst gehen Sie auf Dauer kaputt. Nur bitte: Achten Sie auf Ihr Timing.

Machen Sie sich bitte eines klar: Auch wenn alle Unternehmen sagen, dass sie sich selbstständig denkende Mitarbeiter mit eigener Meinung wünschen: Bei vielen ist das nicht der Fall!

Klartext ist gut. Aber WIE und WANN Sie Klartext reden, ist nicht egal. Manchmal ist das Timing alles.

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