Vor die Hunde: Wie wir uns zu Idioten machen

Allgemein
Vor die Hunde – Hundegesetz – Stefan Reutter

Ich bin Hundebesitzer. Ich liebe meinen Hund. Meine Frau und ich gehen oft und lange mit ihm Gassi, jeden Tag. Und jetzt soll es ein Gesetz geben, dass mir vorschreibt, wie oft und wie lang ich mit meinem Hund raus soll. Hallo, geht’s noch?

Die meisten Hundebesitzer, die ich kenne, lieben ihren Hund so sehr wie ich meinen und wollen nur sein Bestes. Klar, es gibt Idioten, die sich nicht kümmern. Denen sollten wir den Hund gleich wegnehmen. Aber braucht es denn wirklich ein neues Gesetz fürs Gassi gehen. Echt? 

Stefan Reutter mit Hund

Das Hundegesetz für Idioten

Das geplante Hundegesetz ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie Deutschland immer mehr gesetzlich reguliert wird. Und die Begründung für all die neuen Gesetze sind die paar Idioten, die sich nicht vernünftig benehmen. Der Großteil der Deutschen braucht den Großteil unserer Gesetze nicht. Aber wegen weniger Idioten lassen wir uns in jedem Bereich unseres Lebens einschränken. Weil es beispielsweise Idioten gibt – hier passt auch das Wort Arschlöcher – die sich nicht um ihre Hunde kümmern, brauchen wir jetzt alle ein Gesetz, dass uns vorschreibt, wie wir uns um unsere Hunde zu kümmern haben?! 

Immer mehr und immer kleinteiliger bauen wir Gesetze um unsere Freiheiten. Es ist doch wirklich absurd, dass gerade jetzt, wo wir uns schon weniger frei als je zuvor bewegen können, wo uns vorgeschrieben wird, dass wir einen Mundschutz zu tragen haben … dass es gerade jetzt also der richtige Zeitpunkt sein soll, mal wieder ein total kleinteiliges Gesetz durchzusetzen. Das Timing ist nur dazu geeignet, durch diesen Regelüberschuss Frust zu erzeugen, der viele dazu bringt, sinnvolle Regeln zu ignorieren.

Selbstverantwortung ade

Was daran mal wieder total klar wird: Alle Verantwortungsbewussten werden abgestraft. Das bedeutet es nämlich, wenn ein weiteres Gesetz meine Freiheiten einschränkt, obwohl ich niemandem – erst recht nicht meinem geliebten Hund! – schade. Sie und ich werden eingeschränkt wegen der wenigen Idioten.

Dieses Hinterherrennen hinter den Idioten, dass wir uns alle unsere Orientierung von denen holen, die keine Verantwortung übernehmen: Das ist schrecklich! Denn so werden die paar Leute zwar gesetzlich in ihre Schranken gewiesen (ob das was bringt ist ein ganz anderes Thema), aber vor allem wird so eine ganze Gesellschaft dazu trainiert, sich nicht selbst Gedanken darüber zu machen, was richtig und was falsch ist, nicht selbst zu verantworten, was sie wie tun. 

Ich denke lieber selbst! 

Und das ist fatal für unsere Gesellschaft, denn wir bekommen Regel-Folger und Gesetzestreue, aber nicht selbstverantwortliche Menschen. Diese brauchen wir aber, damit wir als Gesellschaft stark bleiben, damit wir weiterhin in einer demokratischen Gesellschaft leben können. Wir brauchen Charakterbildung. Selbstverantwortung ist mir ein großes Anliegen, weil ich mir die zurückergattern musste, als ich selbst in einer großen Krise steckte. Darüber habe ich auch in meinem Buch „Gut, dass es dir schlecht geht“ geschrieben. Ohne Selbstverantwortung sind wir schwach und jede Herausforderung überfordert uns.

Um eine Gesellschaft der Selber-Denker zu erhalten, brauchen wir Streit und Diskurs statt Regeln und Gesetze. Mein Plädoyer für mehr Streit für eine gesündere Gesellschaft finden Sie hier. Da bewegt sich Deutschland leider gerade in die völlig falsche Richtung. Ich wünsche uns, dass wir die Selbstverantwortung fördern, dass wir die Charakterbildung ermöglichen: Für Menschen, die gemeinsam so eine stärkere Gesellschaft bilden. Ich bin gespannt, wie Sie das sehen. Schreiben Sie mir! 🙂

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Bernd Kühme
    6. November 2020 18:16

    Hallo Stefan,
    immer wieder nett Deine Beiträge aus dem richtigen Leben :). Ich denke Du hast mit all Deinen Forderungen sehr recht, möglicherweise leben wir aber hierzu im falschen Land und sind die Geißel unserer eigenen Mentalität!? Übrigens oft der Aufhänger zum Schmunzel für andere Nationen, aber die meisten findes das toll! Abhilfe: Mindestens 2-3 Monate jährlich Abstand von unsererm Geburtsland gewinnen und sich das Ganze mal aus der Entfernung anschauen. Dann erträgst Du es eher die restliche Zeit, oder blendest es einfach aus :).
    Gruß
    BK

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