Gegen Buhrufe und falsche Erwartungen – Ein Plädoyer für Weiterentwicklung

Allgemein, Respekt

Buhrufe, Pfiffe und Schmähgesänge im Fußballstadion!

Nein, nicht wegen eines Fouls oder einer ungerechten Schiedsrichterentscheidung. Hier buhen die Fans ihren eigenen Spieler aus.

Die Fußballaffinen unter Ihnen haben es vielleicht schon erraten: Es geht hier um Mats Hummels, der im Spiel gegen Wolfsburg von den eigenen Fans teils böse beschimpft wurde, weil er vom BVB zu Bayern München wechselt. Ich finde das eine so bodenlose Frechheit, dass ich es erst einmal setzen lassen musste, bevor ich nun darüber schreibe.

Da bringt ein Spieler viele Jahre eine großartige Leistung für seinen Verein und wird dann ausgebuht, weil er sich weiterentwickelt. Also ich verstehe die Welt nicht mehr. Was muss einem Spieler da durch den Kopf gehen, was muss er psychisch aushalten? Die Traurigkeit, dass ein guter Spieler die eigenen Reihen verlässt, kann ich natürlich nachvollziehen.

Aber die sollte keineswegs in Wut oder Hass umschlagen.

Das Recht, sich weiterzuentwickeln

Leider ist das, was da im Fußballstadion passiert ist, aber sogar ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn eine Person Großes leistet, sich weiterentwickelt und dann den nächsten Schritt in ihrem Leben geht – sei es in einer Beziehung, im Job oder eben auch im Fußballverein – fühlt sich das Umfeld verraten. Der Typ lässt die Mannschaft, den Partner, die Kollegen im Stich! Wie kann er nur? Ihm etwas zu gönnen, wenn seine Entwicklung den eigenen Erwartungen zuwiderläuft, wo käme man denn da hin?

Ich finde das erschreckend. Es ist doch schön, wenn sich jemand weiterentwickelt, sich aufmacht zu neuen Ufern und seinen Horizont erweitert! Und eigentlich sollte das Umfeld ihm zujubeln und alles Gute wünschen. Aber allzu oft stellen Menschen ihre eigenen Bedürfnisse vor die Bedürfnisse und die Entwicklung des anderen. Hauptsache, es geht ihnen selbst gut.

Mit offenem Herzen gegen den Hass

Ich würde mir ja eine positive Grundhaltung wünschen. Keinen Hass und keine Wut, sondern ein offenes Herz für die Mitmenschen. Ja, sogar Unterstützung auf dem neuen Weg, den sie einschlagen.

Wenn Sie die Grundhaltung vertreten, dass Weiterentwicklung gut ist und jeder Mensch das Recht hat, seinen eigenen Weg zu gehen, dann können Sie anderen ihren persönlichen Erfolg, ihre Entwicklung gönnen – egal, ob das in Ihre Wunschvorstellung passt oder nicht. Dann erkennen Sie die Traurigkeit über den Verlust als das, was sie ist: eine enttäuschte Erwartungshaltung, die Sie hatten – und die gar nichts mit der anderen Person zu tun hat. Und diese Erkenntnis lässt Hass, Neid und Wut gar nicht zu.

Der Punkt ist doch der: Es liegt nicht an Ihnen und auch nicht an mir, den Lebensweg eines anderen Menschen zu bewerten oder gar zu kommentieren – erst recht nicht mit Schmähgesängen und einem beleidigenden Banner. Und die Fans von Borussia Dortmund sollten sich einmal an ihren eigenen Spruch erinnern. Der lautet nämlich „Echte Liebe“.

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