Das Selbstwertgefühl liegt nicht auf der Straße

Allgemein
Held, Mann, Selbstwertgefühl, Leben, Stress, Freizeit

Das mit dem eigenen Selbstwertgefühl ist so eine Sache. Das habe ich neulich in einem meiner Seminare denken müssen. Ein Teilnehmer erzählte mir von seinem Leben – seinem Job, seiner Beziehung, seinen Interessen. Und als er dann stolz von seinem Amt als Vorsitzender im Tennisclub erzählte, fiel mir etwas an ihm auf: Die Brust wurde breiter und die Augen leuchteten. Die Pupillen wurden größer. Da dachte ich: Das ist seine Heldenreise. Ein Mann auf Heldenreise! Es geht in dieser Geschichte um viel mehr, als wir glauben. Es geht um den Teufelskreislauf des Selbstwertgefühls …

Woran liegt’s?

Alle Männer wollen Helden sein, auf Abenteuertour gehen und ihr Leben besteht eigentlich darin, diesen Status anzustreben – da bin auch ich keine Ausnahme. Denn es ist doch so: Wir Männer wollen etwas Besonderes sein und wollen vor allem etwas in unserem Leben erschaffen, was von großer Bedeutung ist. Meiner Spezies ist Anerkennung für das eigene Handeln und Tun wichtig. Schließlich ziehen die meisten von uns den Großteil ihres Selbstwertgefühls daraus. Weil sie sich mit dem was sie tun und sind, definieren.

Manchmal frage ich mich selber, wo der Ursprung des Ganzen liegt … Vielleicht haben wir Männer nie verkraftet, dass wir von einer Frau gestillt wurden und haben schon im Säuglingsalter bezüglich unseres Selbstwertgefühls einen gehörigen Knacks abbekommen? Liebe Frauen, ich weiß es auch nicht.

Die Heldenreise aus der Normalität

Aber ich weiß eine Sache ganz sicher, wir Männer sind auf einer ständigen Heldenreise, sofern wir nicht verlernt haben, wie Heldenreise geht. Das ist unsere Art, der alltäglichen Normalität zu entfliehen. Die fängt bei vielen schon bei der Arbeit an. Die meisten Otto-Normalbürger haben einen klassischen Job als Angestellter – tagein, tagaus. Wie unglaublich ist es dann, wenn besagter Mensch am Wochenende im Verein das Sagen hat, der Kapitän in der Sportmannschaft ist oder auf Social Media den Wortleader mimt. Das ist die einzige Chance, endlich mal an der Macht riechen zu können – ganz ohne Führungsposten. Das ruft ein Gefühl von „Ich leiste etwas, also bin ich auch etwas“ hervor, das hochgradiges Suchtpotenzial hat. Das kenne ich auch aus meinem Leben.

Zu meiner Zeit als Skilehrerausbilder habe ich dieses Gefühl genossen, als ich am Berg das Sagen hatte und sich alle unterordnen mussten. Auch ich fand diesen Ausflug aus der Normalität unglaublich reizend und ich fühlte mich sehr mächtig. Das Trügerische dabei: Ich habe mir mein Selbstwertgefühl dann gerne im Außen gesucht – über die Bestätigung meiner Mitmenschen –, statt in meinem Innern.

Die Selbstwertzitze

Klar liegt dieses Suche im Außen auch am eigenen Zuhause. Denn genau dort bekommen viele Männer die wenigste Bestätigung. Diesen Fall kennen Sie sicher auch: Statt ein Lob dafür zu bekommen, dass Mann (endlich) den Rasen gemäht hat, motzt Frau lediglich darüber, dass er noch nicht im Getränkemarkt war. Und welche Folge daraus entsteht, ist nicht zu unterschätzen. Diese Personen hängen dann so richtig schön an der Selbstwertzitze im Außen, aus der reichlich Selbstbewusstsein fließt. Ganz nach dem Motto: „Liebe Mitmenschen, bitte sagt mir doch, wie viel ich wert bin.“

Als ich beispielsweise noch in jungen Jahren beim VfB Stuttgart gespielt habe, war das ein ganz normales Verhalten in unserer Mannschaft. Wir haben uns gegenseitig attestiert, was für tolle Helden wir doch alle waren. Zumindest meistens. Ja ja, wir waren liebevolle Machos. Doch Dank meinen Verletzungen habe ich eine innere Entwicklung durchlebt. Ich habe gelernt, mit mir und meinen Gefühlen in Einklang zu kommen. Das habe ich geschafft, in dem ich mir grundlegende Gedanken über mich, mein Verhalten und meine Denkweisen gemacht habe. So habe ich meinen Weg gelernt, die Dinge, die mich stören, offen und direkt anzusprechen. Seitdem ich diese offene Kommunikation nach Innen und Außen führe, bin ich zu einem echten Held in meinem Innern geworden. Ich hoffe, auch für meinen männlichen Teilnehmer, dass er den Teufelskreislauf des Selbstwertgefühls durchbricht und es eines Tages auch schafft.

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