Tausche (Un-)Sicherheit gegen Lebensfreude

Achtsamkeit, Allgemein, Lebenskunst, Risiko, Sicherheit

Kürzlich war ich als Redner bei einer großen Veranstaltung eingeladen. In der Pause reihte ich mich in die Schlange vor der Kaffeestation ein. Vor mir standen ein Mann und eine Frau ungefähr in meinem Alter, die sich unterhielten.

Er: „Es wird immer schlimmer. In unserer Branche kann man sich auf nichts mehr verlassen. Die Kunden wollen immer mehr, die Geschäftsleitung kommt jede Woche mit Veränderungen, die Mitarbeiter drehen durch. “

Sie erwiderte nickend: „Das ist bei uns auch so. Und dann auch noch Corona, Ukraine, Inflation und so weiter. Es ist wirklich nichts mehr sicher.“

Sie waren inzwischen bei der langen Tischreihe mit den aufgestapelten Tassen angekommen. Er griff nach zwei Tassen, hielt ihr eine davon hin und seufzte: „Macht keinen Spaß mehr!“ Sie nahm die Tasse, hielt sie unter den bereitgestellten Kaffeautomaten, drückte den Knopf für Cappuccino und bekräftigte, während der Milchschaum in die Tasse lief: „Nee, echt nicht!“

Und ich dachte mir: ‚Die beiden haben recht: Die Unsicherheit nimmt zu, vieles wandelt sich zutiefst. Und daran wird sich so auch bald nichts ändern. Aber warum lassen sie sich dadurch die Lebensfreude nehmen?‘

Lebensfreude dank Neuem

Dazu gibt es ein Zitat von dem Schriftsteller Leo Tolstoi, das ich richtig gut finde: 

„Wenn uns etwas aus dem gewohnten Gleise wirft,

bilden wir uns ein, alles sei verloren;

dabei fängt nur etwas Neues, Gutes an.“

(Leo Tolstoi)

Die ersten beiden Zeilen geben die Stimmung wieder, die ich bei vielen wahrnehme: Die vielen Veränderungen führen zu einem Verlust an Sicherheit. Ein Gefühl der Unsicherheit macht sich breit – und das ist auch normal. Denn nicht sicher zu wissen (oder nicht glauben, sicher zu wissen), was kommt, macht nun mal unsicher. 

Daraus aber ein schlechtes Gefühl zu ziehen – das muss nicht sein! Und das steckt in der letzten Zeile Tolstois. Denn es fängt etwas Neues an. 

Lebensfreude ohne Sicherheit

Die Sicherheit im Außen, so wie sie sich viele wünschen, dass alles so bleibt, wie es ist – das war einmal. Die gibt es nicht mehr. Die Welt ist einfach nicht vorhersehbar. Darüber können Sie verzweifeln und vergeblich versuchen, der Veränderung auszuweichen. 

Oder Sie können sich eine andere Sicherheit aufbauen. Eine, die nicht vom Außen abhängig ist, sondern von innen kommt. Eine, die Sie aufbauen und bewahren können, egal was passiert. Die es Ihnen ermöglicht, bei aller Unsicherheit, die Sie erleben, dennoch voll Lebensfreude zu bleiben. Das ist die Lebenskunst, die Tolstoi meint.

Ich nenne dies liebevoll die „Sicherheit höherer Ebene“. 

Lebensfreude mit Sicherheit höherer Ebene

Der Trick dabei ist nicht, so zu tun, als würden Sie über aller Unsicherheit stehen und sich von keiner noch so tiefgreifenden Veränderung erschüttern lassen. Sorry, das funktioniert leider nicht, zumindest dann nicht, wenn Sie keine Maschine sind.

Der Trick ist viel mehr, dass Sie den Umgang mit Unsicherheit üben. Sie trainieren. Indem Sie sich bewusst immer wieder Neuem und Ungewohntem aussetzen. Sie probieren unbekannte Sportarten aus, wagen es, blutiger Anfänger zu sein und keine Ahnung zu haben. Sie suchen Kontakt zu Zirkeln, in denen Sie keinen Menschen kennen. Sie wagen neue Erfahrungen auf allen Ebenen. 

Durch dieses Training werden Sie quasi doppelt belohnt.

Lebensfreude hoch zwei

Erstens werden Sie während Ihres Trainings Aktivitäten, Menschen, Erkenntnisse entdecken, die Sie bereichern und Ihnen Freude machen. Die wären Ihnen andernfalls immer entgangen. 

Zweitens gewöhnen Sie sich an die Unsicherheit, die Sie immer dann empfinden, wenn Sie etwas zum ersten Mal machen oder noch keine Routine haben, in dem was Sie tun. Die Unsicherheit macht Ihnen dann auch keine Angst mehr, denn Sie haben es geübt und erlebt, , dass Sie mit der Veränderung klar kommen – und sogar Freude daran finden.  

Sie werden richtig neugierig, was wohl als Nächstes kommt: welches Neues, welches Gutes. So wie der Lebenskünstler Tolstoi das sagt.

Ihr 

Stefan Reutter

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