Zwischen Unwort und klarer Ansage: Ein Plädoyer für mehr Direktheit

Auftreten und Wirkung
Polizei, Silvesternacht, Unwort, Politisch korrekt, political correctness, Stefan Reutter, Blog

Unwort hier, Unwort da. Und genau damit begann auch dieses Jahr.

Die Formulierung „Nafri“ hat für eine ausschweifende Debatte in den Medien gesorgt. Weil die Kölner Polizei in der Silvesternacht pauschal rund 1000 Menschen als „Nafri“ bezeichnete, weil sie vermutlich aus Nordafrika stammten, empörten sich gar Politiker der großen Parteien öffentlich.

Da frage ich mich: Wieso darf heutzutage nichts mehr beim Namen genannt werden, ohne dass es direkt zum Unwort verunglimpft wird? Ist Direktheit in unserer Gesellschaft denn gar nicht mehr gewünscht?

Unwort oder Tatsache?

Die Polizei in Köln rechtfertigte ihre Direktheit damit, dass solche Begriffe wie Nafri nur Abkürzungen sind, um Zeit zu sparen. Wertend gemeint seien sie absolut nicht. Wie kann es dann aber sein, dass solch ein Begriff zum Unwort verkommt?

Wenn ein Mensch im Polizeichargon zum Beispiel als „Rubu“ bezeichnet wird, bedeutet das, dass die kontrollierte Person aus Rumänien oder Bulgarien stammt. Dann ist das einfach eine Tatsache. Oder wenn über Funk über einen „Ladi“ gesprochen wird, dann wird ein Ladendieb gemeldet. Nicht mehr und nicht weniger. In der Kürze liegt bei der Polizeiarbeit eben die Würze.

Die Poltical Correctness bitte nicht stören!

Das Problem ist aber, dass es sich in unserer Gesellschaft etabliert hat, dass das Kind nicht mehr beim Namen genannt wird. Es wird ums Eck gesprochen, um niemanden zu diskriminieren oder versehentlich zu verletzen. Verschnörkelte Sprache? Sehr gerne. Direktheit? Nein, lieber nicht. Klar, könnte ja auch die Political Correctness stören …

In meinen Augen ist das absoluter Schwachsinn. Denn in der Vergangenheit hat es niemanden gekümmert, wie was beschrieben wurde. Danke, Facebook, Twitter und Co. Durch euch hat sich eine Kontroverse in unser Leben geschlichen, die kaum zu bewältigen ist. Einerseits soll jeder seine eigene Meinung kundgeben, andererseits darf man nichts Falsches sagen, weil man sich sonst auf einen Shitstorm samt langanhaltender Abstempelung „freuen“ darf. Das ist doch scheiße!

Es steckt mehr dahinter

Denn genau das führt dazu, dass die Polizei auf Twitter zu Nordafrikanern eben nicht Nafri sagen darf und ein Unwort entsteht. Doch nicht nur das: Wenn ich beispielsweise öffentlich sage: „Ich bin stolz auf unser Land“, dann falle ich sofort in die Kategorie „rechts“. Und durch die Verallgemeinerung ist mir der Platz am Pranger vorprogrammiert.

Also was lernen Sie daraus? Sie dürfen nicht sagen, was Sie denken, weil Ihre Meinung für irgendjemanden fehl am Platz sein könnte.

Dabei ist es ja auch manchmal ganz anders, als gedacht. Es ist wichtig, zunächst immer das große Ganze zu betrachten, bevor wir Dinge verurteilen. Das hat meiner Meinung nach bei dieser Polizei-Diskussion völlig gefehlt. Denn wenn Sie sich deren Job näher anschauen, dann sind solche Abkürzungen typisch. Polizisten kürzen ja sogar ihre eigenen Abteilungen ab: Da heißt die Bereitschaftspolizei nur Bepo und die Spurensicherung kurz Spusi. Heißt: Nur weil sie einen kargen Wortstil präferieren, bedeutet das nicht automatisch, dass sie einen schlechten Hintergedanken dabei haben.

Bitte mehr Direktheit!

Klar war die Bezeichnung in dem Fall Nafri ein bisschen zu pauschal für eine solch große Gruppe. Doch den eigentlichen Fehler sehe ich darin, dass die Kölner Polizei sich im Nachhinein für ihr „Unwort“ entschuldigt hat. Nach dem öffentlichen Druck natürlich auch kein Wunder. Aber warum sollte sich irgendjemand für ein Wort entschuldigen, das direkt und klar eine Tatsache benennt? Ich finde es einfach nur arm, dass in unserer Gesellschaft diese Direktheit nicht mehr geschätzt wird.

In meinen Augen hätte die Polizei hinter ihrer Aussage stehen sollen, denn schließlich ist sie doch keine Marionette der Gesellschaft. Und da müsste die direkte Sprache doch wohl erlaubt sein.

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