Da brauchen Sie Eier!

Auftreten und Wirkung
glaubwürdig, Stefan, Reutter

„Die Digitalisierung überfordert mich als Führungskraft. Ich komme mit den neuen Technologien überhaupt nicht zurecht und wünsche mir die alte Welt zurück, wo alles so bleibt, wie es ist.“

Ob Sie sich in diesem Statement wiederfinden oder nicht – so glaubwürdig und ehrlich kommunizieren zu können wünschen sich viele. Oliver Kahn würde sagen: „Da brauchst du Eier!“

Ja, Sie brauchen Eier, um ehrlich dazu zu stehen, was Sie denken und fühlen. Aber es macht Sie glaubwürdig, zu Ihrer Meinung zu stehen. Denn nur so kann ein ehrlicher Austausch stattfinden. Und davon können Sie nur profitieren …

Politisch inkorrekt

Sehr, sehr wenige Menschen sind heute noch glaubwürdig. Ja, ich würde sogar fast sagen: Keiner ist mehr glaubwürdig!

Die Leute haben dauernd Angst, mit dem, was sie sagen und fühlen, irgendwo anzuecken. Irgendetwas „politisch Inkorrektes“ zu sagen und damit jemandem auf die Füße zu treten. Und dann bei Entscheidungen benachteiligt zu werden.  

Als Führungskraft ist Ihnen das sicher auch nicht fremd. Oder kommunizieren Sie mit Ihren Mitarbeitern genau so direkt und unkompliziert, wie Sie es beispielsweise mit einem guten Freund täten?

Viele Unternehmensköpfe tun das genau nicht, denn sie haben Angst davor, was ihre Mitarbeiter von ihnen denken würden, wenn sie sich eine vermeintliche Schwäche eingestehen oder sichtbar berührt sind – und das auch noch zeigen. Sie glauben auch, als „Befehlshaber“ dürften sie keine Emotionen zeigen, da sie das weniger professionell erscheinen lässt. 

Das kommt Ihnen vielleicht bekannt vor.

Was Sie dabei vergessen: Nicht offen das mitzuteilen, was Sie denken – auch wenn Ihr Umfeld vielleicht anders empfindet – macht Sie unglaubwürdig. Und das sieht man Ihnen an. Das fühlt Ihr Gesprächspartner. Es entsteht eine gewisse Inkongruenz. 

Deshalb möchte ich Sie darin bestärken, mutiger zu kommunizieren! Denn glaubwürdig zu sein ist kein Hexenwerk. 

Drei Tipps, wie Sie glaubwürdiger kommunizieren

Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, mutiger zu kommunizieren und Ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

  • Sagen Sie ehrlich, was Sie denken und fühlen – und haben Sie den Mut, Position zu beziehen. Das klingt banal, ist aber gar nicht so einfach.
  • Richten Sie, bei aller Ehrlichkeit, Ihren Ton und Ihre Wortwahl trotzdem am Publikum aus. Ehrlich und offen zu kommunizieren bedeutet nicht, immer einfach rauszuposaunen, was und wie es Ihnen gerade durch den Kopf geht. 
  • Zeigen Sie Emotionen! Ohne wird es schwer, in Ihren Mitarbeitern etwas auszulösen. 

Emotionen zu zeigen hat dabei nichts mit Ihrer Professionalität zu tun – Sie können professionell sein und bleiben, auch wenn Sie Emotionen in Ihre Kommunikation mit einfließen lassen. Verwechseln Sie Ihre Emotionen aber auch nicht mit Härte: Auf den Tisch zu hauen und auszurasten ist nicht dasselbe, wie Gefühle zu zeigen. Stattdessen …

Jetzt mal ganz ehrlich

Sagen Sie Ihren Mitarbeitern, was eine bestimmte Situation emotional mit Ihnen macht. Ganz ehrlich. Nur wenn Sie sichtbar bewegt sind, können Sie Mitarbeiter bewegen. 

Wenn Sie zum Beispiel einer langjährigen Mitarbeiterin kündigen müssen, und Sie das echt mitnimmt, da Sie die Kollegin vermissen werden und es Ihnen schwer fällt  – sagen Sie ihr das! Sagen Sie ihr, wie hart das auch für Sie ist und wie traurig es Sie macht, sie gehen lassen zu müssen. 

Oder wie im Eingangsbeispiel: Stehen Sie beim Abteilungsmeeting dazu, dass Sie der Zukunft mit Unsicherheit entgegenblicken, wenn mal wieder die Digitalisierung thematisiert wird. Ihren Mitarbeitern wird es nicht anders gehen. Das macht Sie menschlich. Und glaubwürdig.

Haben Sie also keine Angst, ehrlich und mutig zu kommunizieren, auch wenn es Gegenwind gibt. Die anderen mögen vielleicht nicht mit dem übereinstimmen, was Sie sagen – aber es macht Sie glaubwürdig. Und schon allein dafür wird Ihnen Ihr Umfeld viel Anerkennung und Respekt entgegenbringen.

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Susen Bühler
3. März 2019 11:18

Vielen Dank. Es wäre vieles einfacher wenn alle, nicht nur die Führungskräfte mehr ihre wahren Gefühle mitteilen würden.

Es tut auch gar nicht weh – ist anfangs nur etwas ungewohnt.

Vielen Dank Stefan Reutter.

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