Stefan Reutter, Segeltörn, Segeln, Mannschaft, Crew, Stimmung
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Stefan Reutter, Meinung, ehrlich, offen, stark, Mut, eigene Meinung

Wenn Sie Ihre Mitmenschen bei einer Meinungsverschiedenheit nach ihrem Rat fragen, bekommen Sie häufig die erschreckendsten Tipps: 

„Also ich lasse mich einfach auf keine Diskussionen ein, das ist für mich vergeudete Liebesmühe.“

„Wieso sollte ich mit jemandem diskutieren? Man kommt ja eh nicht auf einen Nenner.“ 

„Ich denke mir immer meinen Teil. Versuch das doch auch mal.“

Also von mir werden Sie sicherlich niemals solche Ratschläge bekommen. Denn meine Meinung verheimliche ich sicherlich nicht. Und das sollten Sie auch nicht tun. 

Meine Zunge bleibt ganz

Wenn Sie anderer Meinung sind als Ihr Gegenüber, dann ist das für viele sicherlich eine unangenehme Situation. Denn es entsteht Reibung. Und bei Reibungen können Streitereien aufkommen. Und bei Streitereien entstehen diese miesen, kleinen Gefühle im Bauch, die einem die Laune verderben. Warum sich also nicht einfach mal auf die Zunge beißen, wenn es mal nötig ist?  

Ganz einfach: Weil es Sie kein Stück im Leben weiterbringt, wenn Sie Ihre Meinung ins stille Kämmerlein verbannen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus meiner Vergangenheit. Vor ein paar Jahren, als ich Ausbilder in einem Skiverband war, bewarb ich mich für einen Posten im neuen Führungsteam. Ich hatte da wirklich Lust drauf, ich wollte mich stärker einbringen. „Ist doch toll,“ denken Sie nun vielleicht. Zuerst fand ich das auch. Doch dann sagte mir der Teamchef in einem Vieraugengespräch, dass ich nicht genommen werde, weil ich laut dem Führungsteam dort, eine zu starke Persönlichkeit bin. Weil die anderen Ausbilderkollegen sich nicht trauten, bei Problemen auf mich zuzukommen. Da klappte mir die Kinnlade runter. Die stellten doch tatsächlich das neue Team aus angepassten und schwachen Figuren zusammen? Ich war fassungslos. Und so ist das nicht nur in dieser Situation der Fall.

Die Sucht nach Friede-Freude-Eierkuchen

Überall, wo Sie in unserer Gesellschaft hinschauen, entsteht der Eindruck, dass jeder süchtig nach einer gewissen Form von Konformität ist. Die Angst geht um. Ja. Die Angst vor Meinung, Stärke und Individualität. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich gehöre nicht dazu! Also tat ich ein paar Tage das, was ich tun musste: Ich äußerte meine Meinung. Und zwar richtig! 

Ich akzeptierte selbstverständlich die Situation. Doch bei der nächsten Lehrteamschulung verkündete der damalige Teamchef, dass er sehr enttäuscht darüber sei, dass sich nur wenige bereit erklärt hätten mitzumachen. Und er zeigte dann die Namen der Bewerber und mein Name war nicht mal auf der Liste. Da platzte mir der Kragen. Ich streckte während der Ausführungen des Teamchefs meinen Arm und begann mit den Worten: „Wenn ich jetzt gleich meine Meinung sage, dann kann es sein, dass ich mir selbst ins Knie schieße, weil wir ja die kommenden Tage noch benotet werden. Ich habe zwar Angst vor schlechten Noten. Aber trotz dieser Angst sage ich meine Meinung: Das, was hier abläuft ist alles eine glatte Lüge.“ Stille. 

Feuer frei für die Meinung

Ich erzählte also die ganze Geschichte – die wahre Geschichte. „Mein Name ist hier nicht mal als Bewerber aufgeführt. Das ist eine Riesenfrechheit. Nicht fair. Nicht okay.“ Es entstand eine große Diskussion, solch eine große, dass die Sitzung unterbrochen werden musste. 

Puh, das tat gut. Meine Meinung so offen und ehrlich zu sagen, befreite mich. Und das kam auch gut bei meinen Mitmenschen an: „Stefan, du hast richtig Eier gezeigt!“ „Ich bin voll deiner Meinung, Stefan.“ „Danke, dass du für uns das Wort ergriffen hast. Das nächste Mal mache ich das auch.“ 

Ich begriff: Nur wenn ich meine Meinung sage, kann sich auch etwas verändern, auch mein Umfeld. Klar gehört da auch viel Mut dazu – logisch. Aber ich bin der Überzeugung, dass Sie nur so im Leben weiterkommen. 

Wie die Geschichte ausging? Nun ja, ich habe für mich erkannt, dass ich nicht mehr dieselben Grundwerte wie das Team vertrete und habe mich dazu entschlossen, auszutreten. Es hat zwar noch einige Zeit gedauert. Aber das war eine gute Entscheidung. Denn seitdem halte ich keine Meinung mehr hinterm Berg. Ich stehe zu mir und meiner Meinung. Versuchen Sie es doch ich einmal! 

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