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YES, die Runde geht an Sie! Obwohl die ganze versammelte Gesellschaft am Tisch anderer Meinung war, haben Sie sich durchgesetzt. Gut, vielleicht haben Sie sich das ein oder andere Mal im Ton vergriffen und vielleicht hätten Sie die anderen auch mal ausreden lassen sollen … Egal, 1:0 für Sie! Sie haben den Streit gewonnen. 

Streit? Tut mir leid, aber das war kein Streit! 

Theoretisch ganz einfach

Im Wesentlichen bedeutet Streiten nämlich, dass Sie offen und neugierig anderen Menschen begegnen und sich für sie und ihre Ansichten interessieren – statt sie beim ersten Wort, das nicht ins eigene Weltbild passt, in eine Schublade zu stecken, den Schlüssel herumzudrehen und wegzuwerfen. Klar bedeutet es auch, dabei den eigenen Standpunkt zu wahren. Für Ihre Überzeugungen zu kämpfen und Ihre Meinung auszudrücken – allerdings ohne dem Gesprächspartner etwas aufzuzwingen. 

Der Deal ist: Sowohl Sie als auch der andere bekommen Raum für die eigenen Punkte. Was Sie zu sagen haben, ist ein Angebot an den Gesprächspartner, sich Ihrer Meinung entweder anzuschließen oder erst recht auf seinem Standpunkt zu bestehen. Oder aber die Diskussion führt zu einem neuen dritten Standpunkt. Wie in einem guten Debattierclub eben.

Der Haken der Praxis

Ich gebe zu, was in der Theorie logisch klingt, ist in der Praxis nicht leicht umzusetzen. Das habe ich selbst bei einem Streit mit meinem Onkel feststellen müssen. Der hatte ein Problem damit, dass ich bei meinen Vorträgen so offen über mein Leben – meine Leidensgeschichte und meine Erfolge – spreche. Während ich das gut und wichtig finde, empfindet er das als peinlich und absolut unnötig. 

Als er mir das sagte, war es eine echte Herausforderung für mich, nicht zurückzuschießen, nicht die beleidigte Leberwurst zu geben oder ihn zu beschimpfen. Ich kämpfte wirklich mit mir, denn ich war emotional sehr aufgewühlt. Am Ende blieb ich aber ruhig und erklärte ihm meine Sichtweise. Ich war bereit, mich mit ihm auseinanderzusetzen und er – legte einfach auf! 

Warum? Klar, weil wir völlig unterschiedlicher Meinung sind und somit Welten aufeinanderprallen. Und immer wenn das eigene Weltbild durch andere Grundeinstellungen ins Wanken zu geraten droht, entsteht eine Abwehrreaktion. 

Große, neue Welt

Dabei dürfen Sie solch eine Auseinandersetzung mit einem anderen Menschen als etwas Positives wahrnehmen, denn sie ist immer auch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Weltbild. Durch die neue Sichtweise Ihres Gegenübers werden Sie mit Dingen konfrontiert, die nicht in Ihr bisheriges Weltbild passten. 

Nun sind Sie wahrscheinlich davon überzeugt, dass Ihr Weltbild stimmt – klar. Und dass Sie zunächst alles, was Ihnen unverständlich vorkommt, erst mal als negativ einordnen, ist ein instinktives, normales Verhalten. Aber: Das ist Schubladendenken! Schublade auf, Mensch samt seiner Meinung rein, Schublade zu. Das ist natürlich die bequeme Art – aber eben nicht die gewinnbringende. 

Gut, wenn es nicht weitergeht

Ich möchte Ihnen erzählen, wie der Streit mit meinem Onkel ausging. Nachdem wir uns beide beruhigt hatten, haben wir den Faden wieder aufgenommen. Und so harmlos der Ausgangspunkt klingt: Wir haben tatsächlich mehrere Gespräche gebraucht, um die Auseinandersetzung über die Frage „Wie viel Offenheit bzw. Öffentlichkeit findet jeder von uns okay?“ fortzuführen. Es ging ums Eingemachte, eben auch um unsere persönliche Lebensgeschichte. Immer wieder kamen wir an Punkte, wo es nicht weiterging. Punkte, an denen einer gedanklich nicht mehr mitgehen wollte, an dem einem die Argumente ausgingen, wo einer merkte: Hierzu habe ich meine Meinung noch nicht geformt. Es gab Momente, wo jeder sagen konnte: „Darüber  habe ich noch nie nachgedacht! Spannende Frage. Danke!“ Und genau das ist der Punkt, der Sie weiterbringt, an dem sich Ihr Weltbild weiterentwickelt und verändert. 

Diese Auseinandersetzung mit sich selbst im Spiegel des anderen ist letztlich ein innerer Entwicklungsprozess. Er erstreckt sich nicht nur über ein Gespräch, auch nicht über zwei, sondern übers ganze Leben. Und die unzähligen Gespräche, die Sie im Lauf des Lebens führen, befeuern diese Auseinandersetzung immer weiter und weiter. Hoffentlich! 

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