Kein Plan? Wie Sie flexibel bleiben statt nach Kontrolle zu greifen

Risiko, Sicherheit
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Letztens habe ich mich mit einer guten Freundin unterhalten, die beschlossen hat, dass sie nun Kinder möchte. Eines, erst einmal. Und zwar jetzt, und dann weiter mit der Karriere. In drei Jahren dann das zweite. Sie hat also einen Plan. Leider. 

Wieso leider? Weil wir viel zu viele Pläne machen. Urlaubspläne, Essenspläne, Feierpläne, Umsatzpläne. Und diese Pläne sind eine Gefahr. 

So ein guter Plan

Wir planen alles – denn wir sind verrückt nach dem, was wir uns von unserer Planung versprechen: der Kontrolle.

Es geht nur um das Gefühl von Kontrolle. Wir wollen die Dinge, die Umstände, das Ergebnis, unser Leben am liebsten kontrollieren. Was mir immer wieder klar wird ist: Das Gefühl trügt. Wir haben nie die Kontrolle. Wir können nicht wirklich planen! Jeder Plan wird umgeworfen. Sprechen Sie mal mit einem Geschäftsführer über seine Fünf-Jahres-Pläne. Dass er die minutiös erarbeitet, ist für ihn komplett natürlich. Das ist seine Aufgabe, denkt er. Er kontrolliert, glaubt er, was in seinem Unternehmen passiert, indem er einen Plan aufstellt. Fragen Sie ihn aber nach dem letzten Fünf-Jahres-Plan und davon, ob er ihn hat erreichen können, so sehen Sie schnell: Die Pläne, die Kontrolle, das ist bloße Illusion. 

Dieses Jahr bemerke ich das besonders stark: Jeder einzelne Mensch, mit dem ich in den letzten Monaten gesprochen habe, erzählt mir von seinen durchkreuzten Plänen: vom Italienurlaub, vom Sommerfest, von der Hochzeit der Tochter. Und was für die meisten noch viel schlimmer ist, das ist das Gefühl, auch in Zukunft nicht planen zu können. Alles gleitet uns gefühlt aus den Händen. Wer weiß schließlich schon, was eine zweite Welle für den Skiurlaub, der bisher noch machbar klingt, bedeutet. 

Keine Ahnung

Das Gefühl des Kontrollverlusts ist enorm gestiegen in den letzten Monaten. Aber die Unmöglichkeit unser Leben mit Planung „unter Kontrolle“ zu bekommen, ist gleich geblieben. Wir konnten nämlich noch nie planen! Es fällt uns gerade nur mehr auf, weil alles so herrlich synchron aus dem Ruder läuft. 

Das verzweifelte Festhalten am Planen, am Kontrollieren bemerken wir gerade gut in der Politik. Unsere Pläne wurden durchkreuzt, ein ganzes Land wurde von einem Virus lahmgelegt. Und die Politiker sagen: „So oder so kontrollieren wir den Virus“. Ohne dass irgendwer eine Patentlösung hätte, ohne dass irgendeiner wüsste, was in den nächsten Monaten passiert. Wie viel ehrlicher wäre es, zu sagen: „Wir haben keine Ahnung. Wir probieren jetzt mal Folgendes aus …“  

Die Wahrheit zu sagen, dazu zu stehen, dass wir das Leben nicht kontrollieren können – das würde uns tatsächlich helfen. In meinen Gesprächen mit Freunden, aber auch gestressten Geschäftsführern und Mitarbeitern, habe ich bemerkt: Den größten Stress haben wir dann, wenn wir eine ganz klare Vorstellung von der Zukunft haben und diese sich nicht erfüllt. Wenn es also anders kommt als erwartet.  

Eine runde Sache

Ich sage: Nehmt es wie es ist und arbeitet damit! Was wir nämlich ganz dringend brauchen ist Flexibilität. Klar, Vorbereitung und ein gewisses Maß an Planung helfen. Wenn Sie aber einen Plan machen und sich steif daran halten, dann sind Sie nicht mehr flexibel genug, um den merkwürdigen Steinen, die uns das Leben in den Weg wirft, auszuweichen. Es gibt ein Zitat von Francis Picabia, das ich liebe: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“. 

Ich glaube übrigens, dass unser Impuls in der Krise die Kontrolle an uns zu reißen zwar natürlich ist, es aber gerade jetzt sehr hilfreich wäre, zu lernen,  eine schlechte Situation zuzulassen. Wir wachsen als Menschen an genau diesen Hindernissen. Wenn es eben mal anders kommt, als geplant. Darüber schreibe ich auch in meinem Buch „Gut, dass es dir schlecht geht“.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nicht selbst durchs ewige Planen einengen. Und, statt dauernd an einen Plan zu denken, sich lieber Gedanken über etwas Größeres machen: Ihre Vision. Ihren Sinn. Kennen Sie Ihr Leitbild, das Ihnen die Richtung weist, auch wenn der Weg voller unerwarteter Hindernisse ist?

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Hallo Stefan, ich habe mal wieder Zeit um Deine kleinen Anregungen zu lesen, immer wieder nett und hilfreich :). Guter Ansatz Deine Nicht-Kontrolle durch Planänderungen. Aber ich hätte keinen Anspruch auf Kontrolle durch Planung, wäre mir viel zu mühsam. Planen ist für mich aber sehr wichtig, nicht als Kontrolle, sondern für die Transparenz von Abweichungen. Denn die Planabweichungen sind doch das Interessante (im Leben?)! Planerfüllung ist langweilig. Ich benötige eine klare Planung, denn nur so lassen sich Abweichungen sichtbar machen, der Plan sozusagen als Sprungbrett für das Lernen an den Abweichungen. Leider sind für die meisten Menschen die Abweichungen Stress statt Herausforderungen für die Zukunft :). Wenn Du weiter kommen willst brauchst Du meines Erachtens einen Plan (Fahrplan, Startegie) aber nicht unbedingt der Kontrolle wegen.
Gruß
Bernd

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