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Loew, Glaubwürdigkeit

Nein, ich kann Ihnen auch nicht die Glaskugel deuten, wie die Nationalmannschaft gegen Serbien und die Niederlande gespielt hätte, wären Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels im Kader gewesen. Aber: Ich kann Ihnen sagen, dass die Ausbootung der drei Weltmeister für mich ein Schock war!

Ich bin wirklich enttäuscht von Jogi Löw. So eine schlechte Menschenführung hätte ich ihm nicht zugetraut. Ich dachte immer, Jogi sei ein Menschenversteher. Zumindest habe ich mir das eingebildet …

Emotionaler Fehler?

Zunächst einmal rege ich mich über den Stil bei der Entscheidung richtig auf. Jogi Löw wollte den dreien das unbedingt persönlich sagen – aber dadurch wird die Sache nicht schöner. Müller, Boateng und Hummels sind keine Spieler, die mal so eben auf der Rahmsuppe dahergeschwommen sind. Weltmeister wird nicht jeder Jahrgang! Alle drei haben sich nichts zuschulden kommen lassen, ganz im Gegenteil. Dann kann der DFB auch nicht einfach sagen: „Tschüss, das war’s“ – ganz ohne offizielle Verabschiedung. Aber das ist nur das eine. 

Mindestens genauso schwer wiegt für mich Löws fachlicher Fehler. Der Bundestrainer kann hier doch keine endgültige Entscheidung treffen.

Warum?

Dabei sein heißt nicht spielen

Das weiß ich selber aus meiner aktiven Zeit: In einer Nationalmannschaft spielen immer die Besten des jeweiligen Landes! Da gibt es kein „die spielen immer“ … Es herrscht das Leistungs- und nicht das Stammplatz-Prinzip. Deshalb finde ich es total falsch, die drei für immer auszusortieren. Wenn Löw nach dem Leistungs- und nicht nach dem Stammplatz-Prinzip handeln würde, könnte er einfach sagen : „Die drei bringen derzeit ihre Leistung nicht und daher nominiere ich sie nicht. Punkt.“

Klar, Löw hat sich ungefähr so gerechtfertigt: Er will jetzt den Umbruch und eine junge Mannschaft aufbauen. Und das am besten ohne die Alten. Und genau das zeigt, dass Löw kein Gespür für ein soziales Teamgefüge hat.

Warum sollen Müller, Hummels und Boateng den Umbruch nicht unterstützen können? Selbst wenn sie gerade nicht erste Wahl sind, könnten sich die drei wie einst Lukas Podolski unterordnen und auf die Bank setzen und sagen: „Hey, ich helfe mit meiner Erfahrung den jüngeren Spielern, Weltklasse zu werden.“

Das wäre „La Mannschaft“!

Im Guten wie im Schlechten

Aber so einen echten Mannschaftsgeist zu erzeugen, das ist Löw offensichtlich nicht gelungen. Der DFB redet nur darüber. 

Ich bin der Meinung, dass er den drei Bayern-Profis die Variante zumindest hätte anbieten können. Wenn unsere Weltmeister dann nicht gewollt hätten, erst dann hätte Löw sagen können: „Gut, das war’s.“ Dafür hätte jeder Verständnis gezeigt.

Ich wusste lange nicht, wer Jogi Löw wirklich ist, aber für mich zeigt die Ausbootung, aus welchem Holz er wirklich geschnitzt ist:

Jogi Löw …

lässt niemanden nahe an sich ran. Lässt sich nicht in die Karten schauen und trifft seine Entscheidungen im stillen Kämmerlein. Dann überrascht er alle. Gefühle kann ich leider keine erkennen und den beschworenen Teamgedanken sehe ich bei zwar vielen Spielern, aber leider nicht beim Trainer Löw. Ganz im Gegenteil.

… setzt seine Pläne durch. Koste es, was es wolle. Beispielsweise Manuel Neuer bei der WM trotz einjähriger Verletzungspause spielen lassen und den Weltklasse-Torhüter Marc-André ter Stegen auf der Bank lassen. Was muss ter Stegen da wohl denken? 

… wirkt stur und beratungsresistent. Er hat sich eine hohe fachliche Anerkennung erarbeitet, aber bei mir sammelt er durch diese Aktion nicht gerade viele Sympathiepunkte.

Für mich wird  Joachim Löw jedoch jetzt immer glaubwürdiger. Ich kann seine Konturen und sein wahres Gesicht immer besser erkennen, weil er anfängt, mehr und mehr er selbst zu sein. So ganz ohne Maske.  

So ist er zwar nicht mehr mein Bundestrainer Jogi, aber wenigstens zeigt er mir sein wahres Gesicht. Damit kann ich umgehen. Denn ich weiß jetzt woran ich bei ihm bin.  Und das Schöne ist: Für diese Entscheidungen trägt er als Trainer auch die Verantwortung. 

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