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Stefan Reutter, Sprache, Mainstream, kompliziert

Im World Happiness Report liegt die High Trust Country Norwegen an erster Stelle, und das trotz Culture Clash … 

Culture Clash, World Happiness Report, High Trust Country … Sie wissen natürlich genau, was das heißt. Oder? Würde ich Sie jetzt ins Rampenlicht stellen, könnten Sie mir erklären, was all diese Ausdrücke exakt bedeuten? Ohne groß nachdenken zu müssen? 

Viele könnten das sicher nicht. Ich selbst hätte damit so meine Probleme. Ich kann die Wörter zwar alle ins Deutsche übersetzen – was sich dahinter jedoch genau verbirgt, bleibt aber unklar. Arme deutsche Sprache …

Ganz schön stupid

Immer öfter verkomplizieren wir unsere Sprache. Wir sprechen von Culture Clash statt zu sagen: Zwei Kulturen treffen aufeinander. Von High Trust Country, und meinen „Länder, in denen Arbeit auf hohem gegenseitigem Vertrauen beruht“. Von World Happiness Report, meinen aber einen Bericht zur internationalen Lebenszufriedenheit. Wir verenglischen unsere Sprache und merken dabei gar nicht, dass uns so die Klarheit flöten geht. Klarheit ist wichtig. Ohne Klarheit entstehen Probleme. Denn wir verstehen Begriffe oder Wörter oft gar nicht. Tun aber so, als ob wir sie verstehen, um nicht dumm zu wirken. Oder uns zu blamieren. Und rutschen dadurch in eine Spirale des Nichtverstehens. Das ist ganz schön stupid. Verzeihung, saublöd.

Wieso verkomplizieren wir unsere Sprache überhaupt?  

Ich verstehe nur Bahnhof

Oft machen wir das ja aus dem Grund heraus, besonders intelligent wirken zu wollen. „Hey, guck, ich kenne englische Terms!“ Das bringt uns einen gewissen Hochstatus, eine Überlegenheit anderen gegenüber. Macht unsere Sprache aber auch unnötig kompliziert. 

Auch im Business-Kontext sind Anglizismen mittlerweile angekommen – oder auf Denglisch: Sie sind Mainstream. Natürlich können Sie das auf einen internationalen Kontext zurückführen, aber als Externer müssen Sie das „Wording“ einer Firma immer erstmal verstehen. Das kostet Zeit und Ressourcen.

Ich habe diese Erfahrung schon gemacht. Als ich mich 2005 selbstständig gemacht habe und freiberuflich für eine Unternehmensberatung arbeitete, schwebten mir nach der ersten Projektsitzung große Fragezeichen über dem Kopf. Ich hätte für die erste Sitzung ein Wörterbuch mitnehmen sollen. 

Ich machte natürlich trotzdem ein wichtiges Gesicht – verstand aber nicht all zu viel. Und hatte damals auch nicht das notwendige Selbstvertrauen, nachzufragen. 

Damit bin ich im Übrigen nicht allein. Denn im Meeting mit dem Team kam danach raus: Alle hatten nur Bahnhof verstanden, aber keiner wollte sich die Blöße geben, nachzufragen. 

Das versteht kein Schwein

Ich möchte Sie deshalb ermutigen, Ihre Sprache einfacher zu gestalten. Machen Sie sich Gedanken und kommunizieren Sie ohne unnötige Anglizismen oder Fremdwörter, die sowieso kein Schwein versteht. 

Das erfordert manchmal ein wenig Mut, „dumm“ zu wirken – einfach sprechen ist jedoch die höchste Kunst. „Weisheit ist, wenn ich komplizierte Dinge einfach sage“, sagte mir mal ein guter Freund. Was für eine schöne Wahrheit.

Und auch als Zuhörer können Sie etwas tun: Fragen Sie ganz offen nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Und lassen Sie es sich erklären.

Sie werden merken: Weniger Komplikation in der Sprache führt zu einem guten Gefühl auf beiden Seiten – da Sie klar kommunizieren und niemand erst im Nachgang versteht, was eigentlich gesagt wurde. 

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