„Das bringt eh nichts“ – Versagensangst undercover

Auftreten und Wirkung, Selbstwert
Versagensangst undercover Stefan Reutter

Versagensangst ist eine fiese Emotion, weil sie Sie daran hindert, bei dem, was Sie tun, Ihr volles Potenzial zu entfalten. Noch fieser ist es, dass sie Sie oft sogar daran hindert, überhaupt ins Tun zu kommen – und Sie nicht einmal erkennen, dass es die Versagensangst ist, die Sie zurückhält. So wie die Führungskraft, die kürzlich bei mir einen Team-Workshop gebucht hatte und einen Tag davor einen Rückzieher machte.

Versagensangst in Bildern

„Herr Reutter, ich habe darüber nachgedacht,“, sagte sie am Telefon, „ich glaube, das würde meinem Team in der jetzigen Situation nichts bringen.“

„Gut, wenn Sie das so einschätzen“ antwortete ich, „dann kann ich Ihnen nur noch anbieten, dass wir uns ohne Ihr Team zusammensetzen.“

Das taten wir dann auch am nächsten Tag und im Gespräch stellte sich heraus, dass sich ein großes Thema von ihr offenbarte. Immer, bevor etwas ernst zu werden begann, entstanden in ihrem Kopf Bilder, warum ihr Vorhaben nicht funktionieren und was alles schief gehen würde. Und je länger sie jeweils darüber nachdachte, desto überzeugter war sie, dass sie es lieber lassen sollte. Dahinter steckte, wie ich herausfand, nichts anderes als ihre Angst zu versagen.

Dieses Phänomen der Versagensangst undercover begegnet mir in den letzten Jahren immer häufiger. 

Erfahrung so oder so

Ich treffe Menschen, die sich nicht auf eine Führungsposition bewerben, obwohl sie das Zeug dazu hätten, mit der Begründung: „Die nehmen mich ja doch nicht.“ Oder sie lehnen ein spannendes Projekt ab, weil sie sagen: „Wer weiß, was da passiert.“ Oder sie verzichten auf eine tolle Netzwerkgelegenheit, weil sie meinten: „Das wird bestimmt furchtbar.“ 

Alle haben sie eines gemeinsam: Sie nehmen sich selbst eine Riesenchance. Denn: Durchdachte Erfahrung ist keine gemachte Erfahrung. Wenn Sie nur darüber nachdenken, was passieren könnte, werden Sie nie herausfinden, was wirklich passiert, wenn Sie es tun.

Doch wie werden diese negativen Vorstellungen überhaupt so übermächtig?

Denken Sie gesünder!

Gerade Menschen mit großer Vorstellungskraft sind dafür anfällig. An sich ist es ja etwas Tolles, wenn Sie eine solche Vorstellungskraft haben, nur lässt Ihre Versagensangst erst einmal viele Befürchtungen in Ihnen aufsteigen. Und dann kommt noch dazu, dass wir nie gelernt haben, wie wir „gesünder“ denken können. Denn … das geht!

Mit „gesünder“ meine ich, dass wir uns erstens bewusst mehr auf die positiven Vorstellungen konzentrieren und dass wir uns zweitens selbst stoppen, wenn wir merken, dass wir uns tiefer und tiefer in negative Gedanken eingraben. Das tun wir nämlich gerne und drehen unsere Vorstellungen grauer und grauer, bis sie so brutal dunkel in unserem Kopf existieren, dass wir sagen: Ach nein, das lasse ich lieber.

Richtungswechsel

Sie können also aktiv gegen die bremsende Kraft Ihrer versteckten Versagensangst angehen, indem Sie sich ab heute ganz bewusst vor Entscheidungen fragen: Was könnte daran gut werden? Und was wird sich daraus Tolles entwickeln? 

Der französische Schriftsteller Francis Picabia hat zurecht gesagt: „Unser Kopf ist rund, damit unser Denken die Richtung ändern kann.“ Sie haben es in der Hand, Ihre Vorstellungen in die positive Richtung zu schicken, und sich selbst nicht großartige Chancen mies zu reden, sondern anzupacken und Ihre Potenziale auszuschöpfen.

Und wenn Sie sich heute noch nicht vorstellen können, dass Sie so richtig große Herausforderungen annehmen können, tun Sie mir einen Gefallen: Denken Sie sich Ihre gedachten Erfahrungen positiv – denn denken dürfen Sie ja, was Sie wollen. Und wer weiß: Vielleicht verwandeln Sie ihre positiven gedachten Erfahrungen ja dann doch in gemachte. Das würde mich für Sie freuen!

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